Wolfgang Schröder hat im April 2005 sein Studium an der kunstschule wandsbek beendet

und ist heute als Junior Art Director und Motion Designer bei der Hamburger Agentur Syzygy tätig. Natürlich interessiert uns brennend, wie es unserem ehemaligen Studierenden heute geht und was er so macht, also löcherten wir ihn ein wenig…

 

Was hast du vor deinem Studium gemacht und wie bist du zur kunstschule wandsbek, oder besser gesagt, zum Design gekommen?
Ich bin den üblichen Weg gegangen. Ich habe 2000 mein Abitur gemacht, danach Zivildienst und habe dann im September 2001 an der KW angefangen, die damals noch KSW hieß. Die Wahl auf die KW fiel mir sehr leicht, da sie damals technisch am besten ausgestattet war und mir der Lehrplan sehr zugesagt hat. Besonders gut fand ich, dass man als erstes richtiges Bleistift-Zeichnen lernt. Außerdem lebte ich damals noch in Ahrensburg und die KSW war Ahrensburg einfach am nächsten gelegen. Es hat einfach alles sehr gut gepasst.

Zum Design bin ich natürlich über das Zeichnen gekommen. Meine Schulhefte waren immer komplett voll gekritzelt mit allen möglichen Zeichnungen, damals meistens Graffiti-Skizzen, Tattoo-Entwürfe und schnelle Bleistift-Portraits von meinen Mitschülern und Lehrern. Nach meinem Abitur habe ich mir dann nicht, wie so viele andere, die Frage gestellt, was ich denn mal werden möchte, sondern ich habe mich gefragt, was ich kann und in welchem Bereich ich mich gerne weiterbilden möchte. Da blieben unterm Strich Zeichnen, Sport und Fremdsprachen über. Ich war nie der Typ, der gerne Vokabeln gepaukt hat und meine Gelenke habe ich mir in meiner Teenager-Zeit durch exzessiven Funsport ziemlich zerschunden, blieb also das Zeichnen über.

Was hat dir im Studium besonders Spaß gemacht? Was hat es dir gebracht?
Am meistens Spaß gemacht hat mir definitiv meine Abschlussarbeit. Darüber hinaus habe ich mich immer auf Erics und auf Renes Unterricht gefreut. Besonders die freien Fotografie-Arbeiten fand ich sehr spannend. Was es mir gebracht hat? Spaß!!!

Welche Highlights, interessante Geschichten oder Erlebnisse während deines Studiums sind dir in Erinnerung geblieben?
Tja, wo soll ich anfangen? Da gab es so viele… Am Besten ist mir eigentlich die Zeit im Fotostudio in Erinnerung geblieben, weil wir da wirklich immer echt kranke Sachen gemacht haben und einfach Mega-Spaß hatten. Und meine Abschlussprüfung, die ich knapp 20 Minuten überzogen habe.. sorry noch mal dafür, aber ich hatte nun mal so viel…

Was hast du direkt nach dem Studium gemacht und wo stehst du heute?
Direkt nach meinem Studium bin ich im AWA-Designbureau geblieben, wo ich auch am Anfang des 7. Semesters ein 3-Wöchiges Praktikum gemacht habe, und habe mich da als freier Designer mit Schwerpunkt Flash-Webdesign lückenlos einfügen können, wo ich dann auch bis März 2007 geblieben bin und viele tolle Projekte für Direktkunden, größtenteils aus dem Musikbereich, gemacht habe. Heute bin ich, wie oben schon erwähnt, als Junior AD und Motion Designer in der Online-Agentur Syzygy tätig.

Hast du noch Kontakt zu deinen Exkommilitonen?
Nein, zu keinem mehr. Außer natürlich Carlos, den ich bei meinem Vortrag an der KW wieder gesehen habe.

Was war das Thema deiner Abschlussarbeit?
EVOLUTION, the electronic Nightclub, Auszüge gibt’s zu sehen unter www.aw-designs.de

Was würdest Du sagen, sind deine Schwerpunkte oder deine Stärken in deiner Arbeitsweise?
Meine Schwerpunkte und meine Stärken liegen ganz klar in der Produktion. Ich bin weniger der, der sich überlegt, was für den Kunden XY gemacht wird, sondern mehr der, der sich danach überlegt, wie er das, was ausgedacht wurde, umsetzt. In meinem Falle heißt das bei 9 von 10 Fällen, Animationen und Motion Design mit Flash und After Effects, aber natürlich auch Retuschen und Montagen in Photoshop.

Meine Stärke ist auf jeden Fall mein hohes Arbeitstempo. Ich komme immer sehr schnell auf gute Ergebnisse, das lernt man natürlich als erstes, wenn man als Freelancer arbeitet und seinen Stundenlohn immer im Hinterkopf haben muss, wenn man z. B. eine Website zu einem Festpreis macht. Diese zielstrebige und ergebnis-orientierte Arbeitsweise habe ich bis heute erfolgreich beibehalten, und die leider nicht ausbleibenden Fehlerteufel, die sich dann automatisch einschleichen, werden auch immer weniger.

Hast du Ideenquellen, wie lässt du dich Inspirieren?
Natürlich hat man als Designer seine Quellen, aus denen man sich inspirieren lässt. Gerade im Online-Bereich ist das Design und vor allem auch die Technik derart schnelllebig, dass man sich fast täglich über die neuesten Entwicklungen und Online-Ideen schlau machen muss. Und da gibt es natürlich eine Unmenge an fantastischer Designblogs. Hier sind exemplarisch 2 Stück, die ich nur wärmstens empfehlen kann: www.smashingmagazine.com und www.thefwa.com

Angenommen Du bekämst ein finanziell unabhängiges Budget zur Verfügung um einen Gestaltungsauftrag zu kreieren, was würdest Du gestalten?
Ich würde, nach wie vor, meine Abschlussarbeit realisieren. Natürlich würde das komplette Design noch mal runderneuert werden, aber konzeptionell würde es alles so bleiben.

Was sind deine 3 Lieblingsprogramme mit denen du arbeitest?
After Effects, Photoshop und Flash.

Auf welche Leistung bist Du besonders stolz?
Mhm, selbstlopudelei? Na schön. Ich glaube, besonders stolz bin ich auf die Leistung, mir Flash und After Effects größtenteils autodidaktisch beigebracht zu haben, vor allem After Effects aus eigenem Antrieb nebenbei zu meinem Job in Rekordzeit.

Die Arbeit als Designer ist ja sehr anstrengend, wie schaffst du dir Ausgleich?
Ich bin unter die Spießer gegangen und hab mir, zusammen mit meiner Freundin, einen süßen kleinen Schrebergarten zugelegt, von meinen Freunden liebevoll „Schrödergarten“ genannt. Dahin ziehe ich mich im Sommer so oft es geht zurück und leg mich auf’n Rasen und lese oder lade Freunde zu netten Grill- und Pokerabenden ein. Darüber hinaus bin ich inzwischen begeisterter Mountainbiker geworden.

Gib´ uns eine Lebensweisheit…
Es gibt ja diesen Spruch hier: „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.“ den formuliere ich immer gerne um in: „Träume dein Leben, und lebe deinen Traum.“ so funktioniert’s für mich besser.

Was waren bei dir die ersten Meilensteine zum Thema Kommunikationsdesign?
Das war definitiv die Warner-Music-Weihnachtskampagne „Cool Christmas“, die ich zusammen mit einem Kollegen aus dem AWA-Designbureau im Winter 2006 gemacht habe. Ganz Hamburg hing voll mit 18/1, Citylights und Plakaten von uns, mit den neuen Alben von Missy Eliott, Sean Paul, Notorious B.I.G., Lil Kim und Seeed. Und dann war da noch die Single- und die Cover-Gestaltung von Xzibits Single „Concentrate“ und dem dazugehörigen Album „Full Circle“ im Sommer 2007. Auszüge aus diesem Projekt gibt es ebenfalls auf www.aw-designs.de zu sehen.

Welche Ziele hast du noch vor dir?
Eigentlich keine Bestimmten. Ich wünsche mir eigentlich nur, dass mich der Job noch möglichst lange so erfüllt, wie er es bis jetzt getan hat. Ich möchte weiterhin noch sehr viel lernen, gerade im Bereich Animation. Und ich sehe mich definitiv irgendwann als Design-Dozent, vielleicht sogar an der KW, man wird sehen.

Was steht auf deiner Visitenkarte?
Noch „Junior Art Direction“, aber bald „Motion Designer“.

Wie sieht dein Arbeitstag / Tagesablauf aus?
Den typischen Arbeitstag bei einem Designer gibt es nicht. Das ist ja grade das, was diesen Job so interessant macht. Ich fange morgens um halb 10 an, und gehe meistens so zwischen 18 und 19 Uhr und in der Zeit dazwischen wird meistens sehr viel gelacht, viel miteinander gesprochen und viel am Computer gearbeitet. Mal gibt es Ideenrunden bzw. Brainstormings auf der Terrasse oder im Café, mal gibt es Meetings, mal gibt es auch Leerlauf und man hat die Zeit, sich Tutorials anzugucken oder Designblogs zu lesen oder sich schräge Photoshop-Montagen hin und herzuschicken. Mal wird stressig an einer Präsentation gearbeitet und die harte Arbeit dann abends mit einem leckeren Bierchen belohnt, und mal sitzt man in irgendeinem Ton-, Foto- oder Filmstudio. Das kommt allerdings seltener vor… leider… und hin und wieder fährt man in Designschulen und erzählt den Studenten von seinen Projekten….

Was ist das renommierteste Projekt an dem du bisher gearbeitet hast?
Das kennt ihr schon alle. Das ist, mit großem Abstand, das Narnia-Webspecial für den Mercedes-Benz Viano, welches ich ja auch bei Euch vorgestellt habe.

Vielen Dank für das Interview, weiterhin viel Erfolg und Kreativität!