Erläuterungen zum Urban Art Projekt von Klaus Möller

Urban Art – auch Streetart genannt – arbeitet mit allen möglichen Formen von visueller Kommunikation, die uns im Alltag begegnen (Bilder, Zeichnungen, Objekte, Installationen, Aktionen etc.). Mehr noch: Urban Art besitzt das Potenzial neue Kommunikationsformen zu erfinden. Damit ist Urban Art jene künstlerische Disziplin deren angewandter Bereich das Kommunikationsdesign ist. Was läge da näher, als sich zum Start des Kommunikationsdesignstudiums in den städtischen Raum zu begeben und dort seinen Gestaltungswillen auszuleben.

Das ist leichter gesagt als getan. Im Fach Kunstgeschichte an der Kunstschule Wandsbek wird sich deshalb systematisch an die Umsetzung der studentischen Urban-Art-Projekte herangearbeitet. Wann ist etwas Kunst? Welche Bedeutung haben Ort und Kontext in dem ein (Kunst)Objekt auftaucht? Wie kann man die Assoziationen und Reaktionen der Menschen, denen Urban Art begegnet, antizipieren und beeinflussen?

Im ersten Schritt müssen die Studierenden Übungen mit Readymade- und Found-Footage-Objekten machen. Dadurch sollen sie Kenntnisse über Form- und Objektqualitäten erlangen und sich darüber austauschen. Hier wird bereits deutlich, wie wichtig der Ort ist, an dem etwas sich zeigt, da der Betrachter automatisch ein Objekt auf dessen Umgebung und Wahrnehmungskontext bezieht. Was wird erwartet? Was überrascht? Was erzeugt Aufmerksamkeit?

Die anschließende Aufgabe nimmt den Menschen selbst ins Zentrum. Denn nun sollen Verbindungen zwischen dem menschlichen Körper und gefundenen oder selbst erstellten Objekten hergestellt werden. Zudem soll der umgebende Raum mit einbezogen werden. Hierzu bieten sich die von Erwin Wurm in die Kunstwelt gebrachten One-Minute-Sculptures als Übung an.

Begleitet werden die praktischen Arbeiten von Vorträge über Readymades, Urban Art, Landart etc.

Dann geht es – meist in kleinen Teams – an die Entwicklung von eigenen Urban Art Projekten, die nach ausgiebiger Besprechung, Recherchen vor Ort und Rückmeldungen umgesetzt werden. Selbstverständlich ist eine Voraussetzung für die Umsetzung, dass nichts beschädigt, niemand behindert oder belästigt wird und dass auch nichts zurückbleibt, was andere entsorgen müssen. Daher sind viele Umsetzungen zeitlich begrenzt und werden direkt von uns wieder abgebaut.

Im Rahmen des Studiums dient das Urban-Art-Projekt unter anderem zur Vermittlung von Grundkompetenzen des Kommunikationsdesigns, wie zum Beispiel die Wahrnehmung und Gestaltung visueller Kommunikationsprozesse und deren Bedingungen. Darüber hinaus macht es einfach viel Spaß in der „realen Welt“ zu gestalten und insbesondere von fremden Menschen Reaktionen auf seine Gestaltungen zu bekommen.