Für das Unterrichtsfach Fotografie erstellte Studierender Torben Tigges für sein Fotoshooting eine aufwendige Kulisse.

Die Aufgabe aus dem Unterricht war es, im Studio ein Berufsportrait zu realisieren.

Torben wählte dazu das Berufsbild des „Kumpels“. Ziel war neben einer fortlaufenden Bilderserie, die Studioblitz-Anlagen und -einstellungen kennen zu lernen. Unter Verwendung von Requisiten sollten Ganzkörper-, Halbkörper- und Nahaufnahmen erstellt werden. Um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, hatte jeder Student einen Termin mit einem begrenzten Zeitrahmen von zweieinhalb Stunden.

Wie wir alle wissen, liegt Hamburgs wirtschaftliche Zukunft nicht im Bergbau. Schade eigentlich, denn Hamburgs (einziger) Vorzeigekumpel hat seine Sache wirklich gut gemacht. Dreck, Hitze und anstrengende Maloche haben ihm nichts ausgemacht, in 50, ja an manchen Stellen sogar nur 30 cm hohen Kriechstollen hat er sich durch den mächtigen Kohleflöz in Wandsbek gearbeitet.

Stollen „KW1“ war in nur ca. 30 Minuten aufgebaut und einsatzbereit. Als Eric Shambroom kam, das Licht zu prüfen, war er schlichtweg begeistert. Alleine das Lob des Meisters des „Powerschrittes“ und der „Weitwinkelaction“ war Lohn genug für die ganze sch… mühevolle Arbeit.

Zur Entstehung des gesamten Projektes erzählt uns Torben:
„Ich hatte das Glück, dass zwischen dem Briefing und meinem Termin die 5 Wochen Sommerferien lagen. Nachdem uns direkt mit dem Briefing die Abgaben vorheriger Semester gezeigt wurden, habe ich mir gleich Gedanken gemacht, was für einen Beruf ich darstellen könnte, der noch nicht gezeigt wurde. Außerdem war mir schon bevor ich mich entschieden hatte, welchen Beruf ich darstelle, sehr schnell wichtig, dass sowohl der Beruf als auch die Umsetzung so außergewöhnlich sein sollten, dass es so schnell keine „Kopien“ davon geben wird.

Meine erste Idee war der Beruf Astronaut, Genauer: Die Mondlandung. Hintergedanke dabei waren die Gerüchte, die Mondlandung sei in einem Studio gedreht worden – als Parallele zu unserem Studioshooting. Untergrund und Hintergrund hätten natürlich authentisch aussehen müssen – und auch der Raumanzug hätte stimmen müssen. Anreiz war dabei, die Fotos durch Bearbeitung schließlich so täuschend echt aussehen zu lassen, dass man sie vom Original kaum unterscheiden könnte. Einziger Schwachpunkt war Raumanzug. Ein Kostümverleih in München bot einen an, für mehrere Hundert Euro pro Tag.

Dann habe ich mir überlegt, über welche Bekannten (Vitamin B) ich an außergewöhnliche Requisiten kommen könnte. Mir fiel ein, dass ein Bekannter in seinem Schuppen Bergwerksausrüstung sammelt. Wobei das untertrieben ist. In seinem leicht abschüssigen Garten hat er einen Stollen gegraben, Schienen verlegt und fährt dort mit einer Stollenbahn in den Keller seines Schuppens.
Der Schuppen selber ist VOLL mit Pressluftbohrern, Lampen, Hacken, usw. …

Ich war mir allerdings nicht sicher, ob er mir davon etwas ausleihen würde. Als ich ihn anrief hab ich vorsichtig gefragt, ob er sich vorstellen könne, mir einen Presslufthammer oder etwas Ähnliches auszuleihen. Nachdem ich ihm erklärt hatte, worum es ging, sagte er gleich „Klar, kommt mit dem Auto vorbei, dann laden wir Dir den Kofferraum voll.“ Alles klar …

In der Zwischenzeit, wir hatten ja Ferien, hab ich im Keller die Wände für meinen Stollen gebaut. Ich wollte in den 2 1/2 Stunden so schnell wie möglich aufbauen, um möglichst viele Situationen darstellen zu können. Also mussten die Wände modular sein. Dazu habe ich 6 Rahmen a 90 x 180 cm gebaut, zwei davon mit Holzbrettern versehen und die anderen 4 mit Leinwand bespannt, mit Gips in Stein / Kohlestruktur voll gespachtelt und schwarz angemalt.

Als ich dann das Equipment abholen wollte, hat mir mein Bekannter erstmal einen Presslufthammer auf Lafette in die Hand gedrückt.

„Hier, den brauchst Du.“ … Alles klar, auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass das Teil 30 kg wog. Weil es schwer zu balancieren war, drückte ich Sorgen bezüglich meiner zerbrechlichen Kulissen aus. Daraufhin bekam ich den leichten Bohrhammer auf Lafette. „Ohne geht nicht. Der hier wiegt nur 20 kg.“

Dann gingen wir durch sein Reich unter Tage und er drückte mir alles Mögliche in die Hand, bis der Kofferraum voll war: Pressluftbohrer, Presslufthammer, Spitzhacken, Lampen, Helme, Helmlampen, …

Nun hatte ich ein Problem: Equipment UND Kulissen nahmen jeweils den ganzen Kofferraum ein. Zum Glück konnte ich einen Anhänger organisieren. Mit dem fuhr ich das Zeug zur Schule, brachte alles in den Vorraum des Studios, so dass ich genau um 11:30, zu Terminbeginn aufbauen konnte. Einige Wände konnte ich vorher schon zusammenschrauben, der Rest ging erstaunlich schnell: Keine 30 Minuten dauerte der Aufbau inklusive Studiolampen. Das hätte ich nicht gedacht. Gut, dass alles modular geplant war – und das alles genau so lief, wie geplant.

Making Off des Fotoshootings:

Das Fotografieren hat dadurch ziemlich viel Spaß gemacht. Ich konnte die Wände bewegen wie ich sie brauchte, hatte genug Stützpfeiler mitgebracht um auch einige räumliche Tiefe darzustellen. Ziel war ja, dass man auf den Fotos nicht sieht, dass sie in einem Studio entstanden.

Am meisten Spaß hat es dann gemacht, die niedrigen Stollen darzustellen. Dazu musste das Modell erst auf einen Hocker, damit er unter der Decke gebückt stand (die Decke war die 6. Wand). Dann hab ich die Decke herunter genommen und auf kleinere Pfeiler gestellt, bis der „Kumpel“ (Bergwerker) am Ende zwischen Boden und Decke nur noch 30cm Platz hatte.

Achja, der Boden wurde erst mit Malerfolie, dann mit schwarzem Tuch und zuletzt mit 40 kg Grillkohle ausgelegt. Das Modell musste sich natürlich mit Kohle einschmieren (und hatte noch 2 Tage später Staub in Nase und Ohren).“