Das Typografie-Seminar besuchte im Wintersemester 2011/2012 mit seinem Typografie-Dozenten Michael Wassenberg den Spiegel-Verlag. Den Exkursionsbericht (s. u.) schrieb Sonja Claus aus dem 2. Semester.

Montag, 28. November 2011, 15 Uhr: Das Semester 2.2.a befindet sich auf Erkundungstour durch schmale Gänge, über viele Treppen und in Aufzügen. Das moderne Hogwarts? Nein, nur das durchdesignte Glasgebäude des Spiegel-Verlags. Fragen über Fragen. Eine davon: Haben die Mitarbeiter einen Navi, um sich hier zurechtzufinden? Ein Aufzug ist zugeklebt mit alten Spiegel-Covern. Auf dem Tisch, an dem wir Platz genommen haben, um einer Präsentation Gehör zu schenken, liegen für jeden fünf verschiedene Spiegel-Zeitschriften parat.

Das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« wurde 1947 kurz nach dem Krieg in Hannover zum ersten Mal in einer Auflage von 15.000 Exemplaren gedruckt und kostete damals eine Reichsmark. Auf dem Schwarzmarkt war man allerdings bereit gewesen 15 Reichsmark dafür auszugeben. 1988 wurde »Spiegel TV« ins Leben gerufen, und 1994 »Spiegel Online«. Der »Spiegel« war somit das erste Nachrichten-Magazin weltweit, das das Internet für sich und für die Nachrichtenverbreitung nutzte. Auf dieser Seite finden sich alle Spiegel-Artikel im Archiv, die kostenlos einzusehen sind.

Mittlerweile existieren vom Spiegel-Verlag zum Beispiel die Printprodukte »Spiegel Special«, »Uni-Spiegel«, »Kultur-Spiegel«, »Spiegel Jahreschronik«, »Spiegel Geschichte«, »Spiegel Wissen« und für Kinder von acht bis zwölf Jahren »Dein Spiegel«. Der Verlag finanziert sich durch den Verkauf der Magazine und durch den Verkauf von Werbeanzeigen. Wenn die Werbeanzeigen wegfallen würden, müsste der Verlag 5,40 € für den Spiegel nehmen anstatt 4 €. Dass es nur 1,40 € Unterschied ausmacht, überrascht uns sehr, da eine Anzeige auf der vierten Umschlagseite ca. 160.000 € kostet.

Nach der Präsentation der Verlagsstrukturen führt uns Layouter Nils Küppers in sein Büro mit Blick über ganz Hamburg. Bei soviel Aussicht aus den Fenstern ist Kreativwerden leicht gemacht. Während er über seinen Arbeitsalltag erzählt, zeigt uns Nils auf seinen zwei Monitoren einige Musterseiten und Templates. Das Besondere: Mehrere Mitarbeiter können gleichzeitig an den Artikeln des Magazins arbeiten. Ein Redaktionssystem machts möglich. So kann es vorkommen, dass sich die Textlänge während eines Layoutvorgangs ändert. Der Layouter muss also gegebenenfalls seine Gestaltung neu überdenken und anpassen. Hier ist also ein Fünkchen Flexibilität gefragt. Außerdem sollte man für diesen Beruf ein hohes Maß an Interesse an den neuesten Nachrichten und den zu gestaltenden Texten teilen. Steht das Layout und hat das Magazin von den Schlussgrafikern den letzten Feinschliff erhalten, wird das Heft in drei verschiedenen Druckereien in zwei Steps gedruckt. Am Donnerstag der erste Teil und am Freitag der zweite. Somit kann man zum Beispiel immer noch flexibel die Titelstory ändern.

Zum Schluss stellen wir noch eine Frage, die uns als Typografie-Kurs am meisten interessierte: Welche Schriften werden verwendet? Als Brotschrift wird die Spiegel Serif eingesetzt und in den Headlines die Spiegel Sans von Lucas de Groot.

Wir bedanken uns für den Blick in den »Spiegel« und verlassen das beeindruckende Gebäude mit einer bestimmten Frage im Hinterkopf: Werde ich später hier arbeiten?

Text: Sonja Claus
Fotos: Sarah Hünemöller und Michael Wassenberg