»La dolce vita«
Shahin Shokoui mutierte vom Illustrator zum Filmemacher. In der kunstschule wandsbek zeigt der 30-jährige am Mittwoch, dem 1. März um 13 Uhr Kostproben seines Schaffens. Außerdem steht er den Studierenden Rede und Antwort. In dem folgenden Interview erfahren wir mehr über Shahin Shokoui. Die Fragen stellte Typografie-Dozent Michael Wassenberg.

Wann und wo wurdest Du geboren?

1976, in Teheran.

Wie lange lebst Du schon in Hamburg?

Seit 20 Jahren.

Was ist typisch für Hamburg?

Der weiss-graue Himmel.

Wie sieht der typische Hamburger (zwischen 30 und 40) aus?

Modisch, aber nie gewagt.

Was magst Du an dieser Stadt?

Style, Gewässer, Parks, Mädels.

Was gefällt Dir an dieser Stadt überhaupt nicht?

Die »Unlockerheit« mancher Menschen in der Öffentlichkeit.

Was vermisst Du?

Einen Apple Store.

Was sind Deine aktuellen Arbeitsschwerpunkte?

Clips zur Promotion von Promotions.

Wie sieht Dein beruflicher Werdegang aus?

Illustration, dann Webdesign, dann Art Direction, dann Motion Design … und jetzt Regie und Produktion.

Wo und als was hast Du gearbeitet?

Jan Merkel Art Direction (AD Assi), Kiwi Interaktive Medien (Illustrator Praktikant), TBWA/Hamburg (Junior Art Director), Labor TV Design (Praktikant), Selbständigkeit.

Wer steht auf Deiner Kundenliste?

BAT, Goldammer Werbeagentur, Backspin Hip Hop Magazin, OMD Media, 9 Live, Nemo Studio.

Was macht einen guten Film aus?

Eine gute Geschichte – gut erzählt. Alles andere wird dann unwichtig.

Was ist schlechtes Design?

Wenn man mehr designt als nötig (z. B. HTK-Plakate in der U-Bahn).

Wieviel Produktioner-Know-how sollte ein Kreativer mitbringen?

Soviel wie möglich, um das meiste rauszuholen zu können. Es ist ein großer Wettbewerbsvorteil, wenn man auch um die Technik weiß.

Womit sollten sich Kreative nicht »belasten«?

Mit ZUVIEL Technik. Das können andere besser.

Was war Dein Traumberuf mit 8? Mit 18? Mit 28?

Mit 8? Weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich Kampfjet-Pilot. Es gab ja genug Propaganda im Iran, wo ich aufgewachsen bin. Mit 18? Illustrator und Websdesigner. Mit 28? Regisseur.

Welche Menschen haben Dich am meisten beeinflusst?

Alle Männer in meinem Leben, mit denen ich länger und öfter zutun hatte. Da ich keinen Vater habe, war ich immer sehr aufmerksam.

Welches Buch liest Du zur Zeit?

Es sind drei: Neil Stephenson – Diamond Age (Science Fiction Roman deluxe), Zeruya Shalev – Mann und Frau (Roman), Nietzsche – Also sprach Zarathustra (Lebenshilfe 😉

Hast Du »Lieblings«-Schriftsteller?

Er ist eine Sie und heisst Zeruya Shalev.

Welcher Film hat Dich (in letzter Zeit) beeindruckt?

Oldboy. Platzt eins seit Mitte 2005.

Hast Du »Lieblings«-Filmemacher?

Von Lars von Trier kann ich mir Alles anschauen. Ingmar Bergmann und Abbas Kiarostami beeindrucken mich auch.

Welche Kunst-Ausstellung hast Du zuletzt besucht?

Ich hab letztens jemandem die alten Meister in der Kunsthalle gezeigt.

Hast Du »Lieblings«-Künstler?

Keinen aktuellen.

Welche Musik hörst Du?

Hauptsächlich Electronica und Jazz.

Sind Kreative unpolitisch?

Ich denke nicht. Aber in Deutschland oder besser gesagt in Hamburg sehe ich kaum politisch motivierte Sachen. Politik sollte nicht der Lebensmittelpunkt sein. Ich selbst habe ständig Ideen, möchte aber nicht politisch werden.

Ergänze folgende Sätze: Wer in der Kreativ-Branche arbeitet, der …

… muss sich hervortun, sonst geht er unter.

Zu einer Kunden-Präsentation gehe ich immer …

… pünktlich, nicht durstig und frei von Liebesgelüsten.

Erfolg bedeutet für mich …

… Geld zu verdienen mit dem, was mir Spaß macht.

Wer sich selbst verwirklichen will, der sollte …

… nicht auf mich hören.

Die größte Herausforderung für mich war …

.. ein After-Effects-Dokument mit 41 Ebenen – und ich kannte das Programm noch nicht.

Angst macht mir …

… dass Alles irgendwann aufhört.

Mich langweilen Menschen, die …

… die die Schuld bei anderen suchen.

… die nichts zu sagen haben.

Wenn ich einmal groß bin, …

… will ich mit einem schwarzen Boot nach Cannes zu den Filmfestspielen, zu denen ich eingeladen bin.

Mit 80 möchte ich von mir sagen können, dass …

… ich keine Angst mehr vor dem Tod habe … und dass ich noch ein paar Freunde um mich herum habe. (Siehe Negativ-Beispiel Johnny Cash).

Auf meinem Grabstein soll stehen …

… ich liege auf dem Bauch. Er war ein Genießer. Ha, Ha! (Wie Nelson von den Simpsons) … nein, kein Grabstein!

Meine Inspirationsquellen sind …

… Musik, ganz viel Musik. Wenn ich Musik höre, sehe ich Bilder … Beobachtungen.

Wenn ich einmal durchänge, motivieren mich …

… Belohnungen. Erst wenn ich den Schreibtisch aufgeräumt habe, spiele ich Tony Hawk. … Ein Spaziergang. Ist das Beste. Immer.

Um zu entspannen, …

… Musik. Sex.

Die wichtigsten Charaktereigenschaften eines Grafikers/Designer sind …

… die Menschen in ihrem »Zeitkontext« wahrnehmen zu können, eine gute Allgemeinbildung und Fachwissen.

Typografie ist …

… oft von subtiler Wirkung.

Meine »Lieblings«-Schriften heißen …

… Unit, DIN und Interstate (hier aber nur die Versalien).

Grafik-Design ist …

… nie unwichtig.

Werbung bedeutet für mich …

… ich zitiere: »Auf den Kopf zielen, um das Portemonnaie zu treffen!« (Der Autor ist mir jedoch unbekannt.)

Eine gute Idee besteht aus … % Inspiration und … % Transpiration.

… 70% Inspiration und 30% Transpiration.

»Der Kunde hat immer recht. Das Briefing ist heilig.« Dieser Satz …

… ist nicht richtig. Der Kunde will etwas. Was er selbst nicht kann. Wir können das. Das sollte nicht in Vergessenheit geraten.Dennoch ist der Kunde derjenige, der die Bezahlung der Miete ermöglicht. Man muss spüren, wann sich das Kämpfen lohnt und wann nicht.

Die gegenwaertige Diskussion um den »Kampf der Kulturen« …

… macht mir Angst. Was ist, wenn man mich vor die Wahl stellt?

Als ich gestern mit Frau Merkel im selben Abteil des Zuges von Berlin nach Hamburg fuhr, habe ich …

… ihr meine Merkel-Sammelbildchen aus der Titanic gezeigt.

Wenn ich schlechte Laune habe, dann …

… habe ich meistens auch noch nicht gegessen.

Meine Freunde schätzen mich, weil ich …

… loyal bin, Humor habe, zuvorkommend und ein guter Gastgeber bin.

Und dafür »hassen« sie mich: …

Sie hassen meine Unpünktlichkeit und meine Unfähigkeit, mich in privaten Dingen zu entscheiden. Und meinen MAC-Fetischismus.

Mein größter Fehler in meinem Leben war …

… in der Schule nicht auf den Französischunterricht bestanden zu haben. Meine Lehrerin meinte, drei Sprachen wären zu viel mich. Dabei konnte ich damals schon drei Sprachen.

Mich kann man überraschen, indem man …

… mich erschreckt. (Das tue ich selbst immer noch gern mit anderen!)

Die Frage, die mir bisher noch niemand stellte, und die ich schon immer einmal beantworten wollte, lautet: …

Wie sehr hasst du die Schrift Sand? SEHR!