Knete ist nicht nur eine Vergnügungsmasse für kleine Kinder in bunten Farben, auch die Größeren können hierdurch gestalterisch neue Horizonte erfahren.
Nicht nur auf dem Papier als zweidimensionale Darstellung sondern auch in modellierter Form können spannende Illustrationen entstehen: die Studierenden des zweiten Semesters sind mit eher ungewöhnlich wirkenden Projekten im Illustrationsunterricht beschäftigt.
Heute tauchen sie in geschäftiges und konzentriertes Formen und Kneten ab, vor ihnen liegen Materialien wie Plastilin, Sculpey, Knete, Fimo, Papp- und Holzkonstruktionen, Tapetenresten, Stoffen, Knöpfen, Werkzeugen, die einen an seinen Zahnarzt denken lassen – der ein oder andere bringt auch echtes Haar vom Mitbewohner mit.
Schon nach kurzer Zeit kann man die skurrilsten Figuren erahnen, bald darauf bilden sich filigran gearbeitete Gesichter mit unterschiedlichsten Mimiken heraus.
Fantasievolle Szenen aus eigenen Kindergeschichten, Zombieolympiaden mit rollenden Köpfen, italienische Familiendramen, modellierte „Tatort“-Szenen, King Kong und gnadenlos nachgebildete Dozenten.
In den Wochen davor wurden Teams zusammengestellt, in denen ein Charakterdesign zu verschiedenen Figuren, Tieren, Fabelwesen entworfen wurde.
Es durften prägnante Charaktere frei erfunden werden oder auf bereits bekannte zurückgegriffen werden, wie bekannte Bands oder Berühmtheiten aus Märchen, Romanen, Filmen, Theaterstücken, Politik etc. Der Fantasie war keine Grenzen gesetzt.
Die andere Variante stellte die Kreierung eines eigenen Werbespots dar.
Die Charaktere sollten in ausdrucksvoller und übertriebener Art dargestellt werden, herausgearbeitet wurden charakteristische Persönlichkeitsmerkmale, die sich in der Körperhaltung, Physiognomie, Kleidung etc. widerspiegelten.
In der „heißen Phase“ werden nun die Abbildungen der Zeichnungen geschaffen, was nicht immer ganz einfach ist. Sinn und Zweck dieser Übung liegt u.a. darin, durch Modellieren mehr Zugang zur räumlichen Darstellung zu finden.
Hat man die Modelliermasse erst einmal in den Händen, kommt man nicht darum herum, den Hinterkopf von der italienischen Mama auch wirklich rund zu formen und der Wirbelsäule einen Schwung zu geben.
Flache Sachen gehen hier nicht durch und das Kneterlebnis führt zu einem Aha-Erlebnis bei späteren Arbeiten auf dem Papier. Plastizität wird mit nun fühlbar und von allen Seiten sichtbar und ist später in 2D-Form auf dem Papier leichter als vorher umsetzbar. Natürlich auch am Computer.
Die Figuren werden anschließend fotografisch in Szene gesetzt – hierbei ist die gut gewählte Komposition und die spannende Perspektive entscheidend.
Natürlich mit Bühnenhintergrund, der entweder komplett selbst gebaut ist, draußen gesucht oder digital ergänzt wird.
Der Teamgeist ist im gesamten Gestaltungsprozess von Bedeutung, eine gute Zusammenarbeit mit stimmigen und harmonisierenden Ergebnissen gefragt.
Ganz am Schluss, nach der letzten Fotoretusche, werden die besten 3D-Illustration im großen Format überzeugend präsentiert – was bei dem Herzblut, was darin enthalten ist, sich nie als schwer erweist.

Susanne Warkentien/Illustration II