Im November ereilte die kunstschule wandsbek eine recht sponate Anfrage einer jungen Studentin für Modejournalismus.
Es handelte sich um Lisa Schwiemann, die zu diesem Zeitpunkt an ihrer Examensarbeit feilte.
Hierfür fehlten ihr noch Layout und Bild.
Also kam ihr die Idee sich an die kunstschule wandsbek zu wenden und um Unterstützung zu bitten.
Natürlich wurde es auf den internen Blog gesetzt und die Studierenden konnten sich auf die Anzeige melden.
Schon kurze Zeit darauf kam die freudige Nachricht zurück, dass Lisa fündig geworden war und sich an die Arbeit machen wurde.

Nun gingen wenige Wochen vorüber und über die sozialen Netzwerke erhielten wir den ersten Hinweis;
Louisa Krokowski, ehemals Studierende der kunstschule wandsbek hatte sich auf die Stelle beworben und liess uns an den ersten Schritten des Projekts teilhaben.
Schöne, stimmungsvolle Bilder gab es zu sehen.
Also blieben wir gespannt.
Lisa erklärte uns, dass die erste Inszenierung das Thema „conservation nation“ behandelte, was bedeuten sollte, dass von „Trends im Einwegglas“ gesprochen wurde, also dem Verlangsamen der Trendwechsel, so dass sie „haltbarer“ gemacht werden.

Für den zweiten Teil ihrer Arbeit fand sie einen Studierenden des zweiten Semester, Tobias Thaden.
Neugierig fragten wir nach, was er zu dem Projekt und dessen Hintergründe berichten könnte und uns ereilte schnell eine Antwort.
Eine Kommilitonin von Lisa brauchte ebenso Bilder für einen kurzen Film, den sie drehte.
Hier sprang Tobias ein und knipste fleissig am Set im Hotelzimmer des The George Hotel.
Das Script teilte er ebenso mit uns, welches die schönen und zugleich spannenden Bilder erklärt:

„Eine Altbauwohnung. Man sieht den alten Dielenboden, der wahrscheinlich laut knartschen würde, sobald man sich auf ihm bewegt.
Man befindet sich in einer Küche, sieht von hinten die Füße einer Frau, die am Herd in einem schwarzen Kleid steht, das weiße Punkte auf sich trägt.
Sie kocht gerade eine Suppe und fühlt sich unbeobachtet.
Sie trägt dieses schöne Bein, das freie Sicht auf ihre wunderschönen Beine gewährt. Nur ihm.
Sie ist in Gedanken und bemerkt nicht, dass sie beobachtet wird. Sie bemerkt nicht, dass sie von jemandem gefilmt wird. Noch nicht.
Das Knartschen auf dem Dielenboden wurde wahrscheinlich zu laut. So laut, dass sich die junge Frau umdreht.
Gefolgt von der Verwunderung über die Tatsache, nicht nur beobachtet, sondern auch gefilmt zu werden, zeichnet sich ein Staunen, das sich zu einem Lächeln auf den Lippen der Frau verwandelt, ab. Ein Lächeln, das nur einem Menschen gewidmet ist.
Dieser Mensch bedeutet ihr sehr viel. Der Zustand geht über eine bloße Verliebtheit hinaus, sie lebt gerade in der schönsten Zeit ihres Lebens und ist unglaublich glücklich.
Froh, ihn gefunden zu haben. Sie spielt mit der Kamera – mit ihm.
Die Kamera fängt diesen äußerst private Momente ein, den die beiden festhalten und teilen.
Das Bild verändert sich und wird schwarz-weiß. Ein Lächeln. Ein Tanz.

Dieses Lächeln findet sich auf einer Leinwand in einem leeren Raum wider. Ein Mann mit grauen Haaren schaut sich die junge Frau an.
Melancholie paart sich mit Glückseligkeit. Trauer mit Freude. Er lächelt, wenn er sich die junge Frau anschaut und der Eindruck entsteht, dass sie ihm einmal viel bedeutet hat.
Man sieht, dass sich der Mann einen Anzug angezogen hat. Es ist ein besonderer Anlass für eine besondere Frau. Seine Frau?
Der Mann reibt sich über die Stirn, als würde er sich die Erinnerungen wegwischen wollen. Vielleicht hat sie ihn verlassen. Vielleicht ist sie gestorben.
Man wird es nicht erfahren.
Für die Geschichte spielt das keine Rolle. Das wichtigste ist, dass sie nicht mehr bei ihm ist.
Kurz danach muss er jedoch wieder auf den Film an der Leinwand schauen. Er kann nicht loslassen.
Er schaut wieder zu der jungen Frau. Sie fixiert ihn aus dem Film heraus.
Er kann ihrem Blick nur für einen kurzen Moment standhalten und wendet sich kurz darauf von ihr ab. Vielleicht ist er noch nicht so weit.
Vielleicht sind die Wunden zu frisch. Vielleicht wird ihm die Erinnerung aber auch für immer schmerzen. Vielleicht.“