Stilistisch sicher und persönlich einmalig

Meine kleine Schwester. 22 Jahre jung, extrovertiert, liebenswert, anspruchsvoll und manchmal etwas durcheinander. Nachts um drei sitzt sie immer noch vor dem Computer und schiebt Pixel hin und her. Ich habe mich ein ums andere Mal gefragt: Wie hält man sowas durch?!
Julie, in deinem Alter weißt Du schon ziemlich genau was Du willst. Wann hat Deine Leidenschaft für das Künstlerische begonnen?
Das weißt du doch auch selber! (lacht) Nein, das hat alles schon im Alter von drei Jahren im Waldorfkindergarten angefangen. Dort wurde nämlich die handwerkliche Arbeit sehr gefördert und vom Malen und Gestalten konnte man mich dann nicht mehr abhalten. Später in der regulären Schule wurden dann schlichtweg alle Hefte von mir verschönt, bemalt und beklebt. Davon habe auch noch Viele aufgehoben. Nach einer kurzen Überlegung nicht doch Psychologie zu studieren, war mir dann aber mit ungefähr 16 Jahren endgültig klar, dass ich unbedingt in die bunte Werbe- und Designwelt möchte. Was ich bis jetzt noch keine Minute lang bereut habe …
Soviel zu Deiner Leidenschaft. Aber wie bist Du persönlich? Hast Du Eigenschaften, die Du manchmal gerne abgeben würdest?
Nein, gar keine! Warte – müsste ich die teilen oder wären die dann ganz weg? Denn da hätte ich was zu verschenken wie z.B. meine Ungeduld und meinen Perfektionismus. Das nervt mich manchmal sogar schon selbst und für andere ist das, glaube ich, auch nicht immer leicht. Aber ich möchte halt alles perfekt haben. Zumindest für mich persönlich. Und zum Thema teilen … Mh, alles andere würd ich schon teilen – Zielstrebigkeit tut ja keinem weh.
Was magst Du gar nicht! Und was ist Dir im Gegenzug besonders wichtig?
Oh ja. Fremde, komische U-Bahn Nachbarn, die einen auch noch den Fußraum stehlen und einen versuchen anzuhusten. Schrecklich! Ansonsten mag ich keine Türklinken, weil die unhygienisch sind und Warteschlangen.

Wichtig hingegen sind mir meine Familie, Freunde und mein langjähriger Freund. Außerdem finde ich ein schönes Ambiente wichtig, ob das nun die eigenen vier Wände betrifft, den Arbeitsplatz oder auch nur ein Restaurant. Hauptsache man fühl sich wohl! Und ohne mein Kissen (das schon eine kleine Weltreise hinter sich hat), scharfes Essen (am liebsten thai und mexikanisch), Sonne, Strand und Cappuccino könnte ich nicht leben.
Wie ich weiß bist Du Vegetarierin. Woran liegt das eigentlich?
Haha wie du tust, als würdest du das alles nicht wissen Also der Grund ist wohl der, dass Du mir seit frühester Kindheit das Fleisch weggessen hast! Nein, weil ich die Konsistenz total merkwürdig finde. Das wäre ja so, als ob man auf seiner eigenen Zunge rumbeißt! Finde es aber seltsam, dass das für so viele Leute so ein großes Thema ist. Ich mags einfach nicht und es gibt so viele leckere Sachen die halt alle anderen verpassen.
Was inspiriert Dich?
… Mhh, Alles? Anders kann ich das gar nicht so genau sagen. Man erhält ja täglich so viele Eindrücke: ob man nun im Auto fährt und sich die Landschaft anguckt oder beim Einkaufen ist – Alles wird ja irgendwie aufgenommen und muss auch verarbeitet werden. Beim Pendeln nach Hamburg hat mal viel Zeit zum Nachdenken. Dabei habe ich zum Beispiel auch den einen oder anderen Platz gefunden, wo ich dann später für Projekte fotografiert habe. Die Parfumanzeige für Dior z.B. ist am Elbekanal hinter den Deichtorhallen entstanden, über den die Bahn lang fährt.
Und wie sieht Deine geplante berufliche Zukunft aus?
Im Herbst, nach dem Studium an der KW möchte ich erstmal drei Monate ein Praktikum bei einer Design Agentur machen, um mal zu erleben, wie der Agenturalltag so abläuft. Und dann geht es Ende Januar schon nach Wolverhampton in Großbritannien, wo ich meinen Master of Art and Design machen möchte. Was danach kommt, muss ich mal sehen, möchte aber auf jeden Fall die Welt erobern. (grinst)

Das Interview mit Julie Göttsche wurde geführt von Jona Göttsche, Studentin an der Deutschen Sporthochschule in Köln mit Schwerpunkt Medien und Kommunikation