Seit 15 Jahren konzipiert und gestaltet die Wahl-Hamburgerin Andrea Franziska Brandt Flakons und Faltschachteln. Düfte und die verschiedensten Kosmetik- Produkte sind ihre Welt. Worauf muss man bei der Entwicklung eines neuen Produktes und der Kreation einer neuen Marke achten? Welche Hürden müssen überwunden werden, damit ein Produkt den Verbraucher erreicht?

Wie wichtig ist die Marktforschung? Welche Rolle spielt die Werbung? Wird das Verpackungsdesign überbewertet oder eher unterschätzt? Welche technischen Restriktionen gibt es? Fragen über Fragen … Wie der Alltag einer Verpackungsdesignerin aussieht und warum ihre Karriere als Ballett-Tänzerin gescheitert ist, das wird Andrea Franzika Brandt den Studierenden der kunstschule wandsbek am Mittwoch, dem 22. März ab 13 Uhr erzählen. Zuvor hat sie schoneinige Fragen beantwortet, die ihr Michael Wassenberg in einem E-Mail-Interview stellte.

Wann und wo wurdest Du geboren?
Am 24. Oktober 1966 in Jülich.
Wie lange lebst Du schon in Hamburg?
Seit 1974 – mit Unterbrechung.
Was ist typisch für Hamburg?
Das Wasser.
Wie sieht der typische Hamburger (zwischen 30 und 40) aus?
Hm? Eine Frikadelle zwischen zwei Brötchenhälften?
Was magst Du an dieser Stadt?
Das viele Grün.
Was gefällt Dir an dieser Stadt überhaupt nicht? Was vermißt Du?
Ich vermisse öfter mal die Sonne und die Häuser, die dem Krieg zum Opfer gefallen sind. Hamburg wäre noch schöner.
Was sind Deine aktuellen Arbeitsschwerpunkte?
Gestaltungen für Kosmetik-Verpackungen, Düfte, Flakon- Formentwicklung und Grafik.
Wie sieht Dein beruflicher Werdegang aus?
Abgebrochene Ballettausbildung, dann Abitur, dann Praktikum und Festanstellung bis 2003. Seit 2004 selbständig mit der Agentur Donkey Design (www.donkey.de).
Wo und als was hast Du gearbeitet?
Angefangen habe ich als Praktikantin bei der Peter Schmidt Group (Studio/Design). Als Creative Direktorin verließ ich das Unternehmen, um mich selbständig zu machen.
Wer steht auf Deiner Kundenliste?
Marken und Firmen wie: René Lezard, Bogner Cosmetics, Bruno Banani, Cindy Crawford Cosmetics, Procter & Gamble, Cosmopolitan Cosmetics, Nobilis Group, ADA Guest Supplies, Consurance Consulting.
Was ist schlechtes Design?
Wenn die Aussage nicht zu erkennen ist.
Was war Dein Traumberuf mit 8? Mit 18? Mit 28?
Ärztin, Tänzerin, Schauspielerin.
Welche Menschen haben Dich am meisten beeinflusst – privat und im Beruf?
Meine Eltern, Peter Schmidt und Camilla Jadal.
Welches Buch liest Du zur Zeit?
Der Tod des Archilles.
Hast Du »Lieblings«-Schriftsteller?
Nein.
Welcher Film hat Dich (in letzter Zeit) beeindruckt?
Match Point.
Hast Du »Lieblings«-Filmemacher/-Schauspieler?
Da gibt es so viele.
Welche Kunst-Ausstellung hast Du zuletzt besucht?
Das »Wohnzimmer« in Berlin.
Hast Du »Lieblings«-Künstler?
Alberto Giacometti, William Turner.
Welche Musik hörst Du?
Im Moment wieder mehr Klassik und Tango.
Wieviel Produktioner-Know-how sollte ein Kreativer mitbringen?
Soviel wie möglich. Und er sollte immer mehr dazu lernen, um auch mal wieder etwas vergessen zu dürfen.
Womit sollten sich Kreative nicht »belasten«?
Mit Liebeskummer.
Sind Kreative unpolitisch?
Nö, warum?
Ergänze folgende Sätze: Wer in der Kreativ-Branche arbeitet, der …
… hat keine geregelte Arbeitszeit.
Zu einer Kunden-Präsentation gehe ich immer …
… im Anzug.
Erfolg bedeutet für mich …
Er folgt auf viel Mühe!
Wer sich selbst verwirklichen will, der sollte …
… kein Designer werden.
Um zu entspannen, …
… sehe ich am liebsten Spielfilme.
Die größte Herausforderung für mich ist …
Jeder neue Tag ist eine Herausforderung.
Angst macht mir …
… das Schwarz-Weiß-Denken mancher Zeitgenossen.
Mich langweilen Menschen, die …
… nur Klischees von sich geben.
Wenn ich einmal groß bin, …
… dann werde ich vielleicht auch mal erwachsen.
Mit 80 möchte ich von mir sagen können, dass …
Ich bin mir nicht sicher, ob ich so alt werden möchte …
Meine Inspirationsquellen sind …
Alles, was mich umgibt, kann dazu werden.
Wenn ich einmal durchhänge, motiviert mich …
Den Knopf suche ich noch.
Die wichtigste Charaktereigenschaft eines Designers ist …
… die Freude am Entdecken.
Typografie ist …
… Kultur und Zivilisation.
Meine »Lieblings«-Schriften heißen …
Derzeit sind dies The Sans, Trade Gothic, Scriptina.
Grafik-Design ist …
… unentbehrlich.
Werbung bedeutet für mich …
… meist Langeweile.
Eine gute Idee besteht aus … % Inspiration und … % Transpiration.
30 % Inspiration und 70 % Transpiration.
»Der Kunde hat immer recht. Das Briefing ist heilig.« Dieser Satz …
… ist leider selten wahr.
Die gegenwärtige Diskussion um den »Kampf der Kulturen« …
… finde ich sehr befremdlich. Warum die Welt kleiner machen als sie sein kann?
Auswandern ist keine Lösung, weil …
… man überall derselbe Mensch bleibt.