Stefan:

Was ist passiert, nachdem Du das Zertifikat zum Kommunikationsdesigner in der Tasche hattest? Wo arbeitest Du jetzt und in welcher Position?
Cathrin:
Was dann halt so passiert: Freude, Party & temporäre Glückseeligkeit.
Dann schlagartig das Bewusstsein, dass man auf einmal ganz allein dasteht – vor einem Meer an Agenturen mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten – und eine Entscheidung treffen muss. Diese habe ich dann einfach auf später verschoben und das gemacht, was ich schon immer mal machen wollte: einen Auslandsaufenthalt! Ich war ein halbes Jahr in Vieira de Leiria, Portugal. Direkt am Atlantik. Das hat mir gut getan und mit frischem Atlantikwind in meinen beruflichen Segeln bin ich dann im Juli bei Zum goldenen Hirschen Hamburg-Dammtor gelandet.
Dort bin ich jetzt Praktikantin und koche ganz gewiss keinen Kaffee!

 

Stefan:
Wie wichtig war die Mappe? Wie viele Bewerbungsgespräche hast Du geführt?
Cathrin:
Die Mappe war und ist natürlich wichtig! Sie representiert wer man ist und was man kann.
Ich hatte relativ viel Glück: 4 Bewerbungsgespräche und 3 Zusagen.

 

Stefan:
Welche haben Dir geholfen, welche nicht?
Cathrin:
Jedes Bewerbungsgespräch hilft und ist eine Erfahrung wert – auch wenn es vielleicht nicht so abläuft, wie man es sich erhofft hatte.

 

Stefan:
Welche Unterrichtsinhalte haben Dir in Deinem jetzigen Berufsumfeld besonders geholfen?
Cathrin:
Eigentlich alle: Die kreativen, konzeptionellen sowie technischen Inhalte – auch wenn ich ein besonderer Fan aller kreativen Fächer war. Genießt diese! Man kann gestalterisch nie wieder so frei sein wie im Studium. Für mich war es auch gut zu lernen, wie man strukturiert arbeitet. NIE die Programmkenntnisse vernachlässigen,
Tempo ist Macht. 🙂

 

Stefan:
Welche positiven und negativen Erfahrungen hast Du in den vergangenen Monaten gemacht?
Cathrin:
Praktikantin zu sein ist am Anfang nicht so leicht. Man hat sein Studium gerockt, ’ne Menge geiler Sachen gestaltet und dadurch bereits ein „Designer-Ego“ entwickelt. Das ist natürlich auch legitim, kann aber zu einem Problem werden, da man beruflich dennoch „ganz am Anfang“ steht.
Respektiert eure Vorgesetzten die auch mal an eurer Stelle waren und ärgert euch nicht über das niedrige Gehalt: Kein AD ist je mit 10 Awards in den Armen vom Himmel gefallen. Tragt so viel Verantwortung wie ihr könnt und bringt euch ein, sobald ihr die Chance dazu habt. Der Vorteil an der Werbebranche ist definitiv die flache Hierarchie: Kein Gesieze, wenig Geschleime. Einfach Teamwork.

 

Stefan:
Wo soll für Dich die Reise in Zukunft hingehen? Was sind Deine Ziele?
Cathrin:
Ich hoffe, ich werde noch so einiges sehen und lernen – eventuell auch in anderen Städten und Ländern.
Ein konkretes Ziel habe ich dabei nicht, ich will einfach in meinem Job zufrieden sein. Wer das nicht ist, hat ganz klar verloren: Viel Freizeit bleibt nämlich nicht.

Stefan:
Wie und wo holst Du Dir Inspiration für Deinen Job?
Cathrin: 
Am liebsten Draussen. Spannend ist es auch, sich Werbung anderer Länder anzuschauen. Ich habe eine dicke Kiste voller Broschüren, Flyer und Postkarten, die ich von den unterschiedlichsten Reisen mitgebracht habe. Natürlich findet man aber auch in Hamburg interessanten Kram, der inspirationswürdig ist.

 

Stefan: 
Was würdest Du den jetzigen Studenten der Kunstschule Wandsbek raten?
Cathrin:
Probiert euch aus! Legt euch nicht zu schnell fest und seid offen für Neues. Es gibt dazu ein schönes Zitat:
“Learn everything you can. Try everything that comes along. Look at everything there is to see. Search, experiment, make mistakes, fail, stand up. Turn religious, turn conservative, turn radical. And then forget all about it and find your way to create.”