Stefan Kerp über den Unterricht im 5. Semester:

Mit dem Start ins 5. Semester zieht das Unterrichtspensum spürbar an. Streichelzoo war gestern.
Nun gilt es, die Studeierenden auf die berufliche Startrampe zu schieben.
Deshalb entwickle ich mit den Studeierenden eine interdisziplinäre und integrierte Kommunikationskampagne.

Was sich zunächst etwas kryptisch anhört und bei dem einen oder anderen Studierenden große Fragezeichen hervorruft, erkläre ich an preisgekrönten Kampagnen-Beispielen.
Es geht darum, mit dem Kunden in einen möglichst langfristigen Dialog zu treten und nicht eine Kommunikationskampagne mit einer medialen Gießkannen-Wirkung zu entwickeln. Sondern auf intelligente Weise mit einem kleinen Kommunikations-Budget viel zu erreichen. Und dafür müssen verstärkt die Online-Kanäle belegt werden.

Zunächst geht es aber um eine große Idee. Und die entsteht nicht durch Zufall. Sondern indem die Studierenden zunächst alles über das Unternehmen, die Zielgruppe, die Wettbewerber und den Markt analysieren.
In der gemeinsamen Recherche entsteht so Schritt für Schritt – wie bei einem Puzzle – ein Gesamtbild.

O.k. – das war noch relativ einfach. Jetzt kommt was für Große.
Wir entwickeln gemeinsam eine Markenplattform. Ich stelle verschiedene Markenmodelle vor. Anschließend lernen die Studierenden eine Mission, eine Vision, ein Leistungsversprechen, den Reason Why und einen Consumer Insight zu formulieren.
Wir entwickeln einen USP (Unique Selling Proposition) und schließlich eine brand idea.

Heavy stuff – und dem einen oder anderen raucht ganz schön der Kopf.
Aber: bei der Abschlußarbeit und vor allem im Berufsleben werden die Studierenden ständig mit solchen Begriffen konfrontiert.
Und dann ist es gut, wenn man nicht wie der Blinde von der Farbe redet.

Nun ist die Bühne vorbereitet für die große Idee.
Also starten die Studierenden mit der Kreativphase und entwickeln Ideen, Ideen, Ideen.
Und sie lernen den Unterschied zwischen einer großen Idee und einer Maßnahme.
Ich zwinge sie, mir ihre Idee in drei Sätzen zu erklären. Wenn das gelingt, ist die Idee meistens gut.
Der Knoten platzt: plötzlich merken sie, wie hilfreich es für die Ideenfindung und deren Beurteilung ist, den strategischen Vorlauf entwickelt zu haben.

Die Idee wird jetzt im Detail anhand eines Phasenplans beschrieben, die Kommunikationskanäle werden definiert.
Und erst jetzt fangen die Studierenden an, ihrer Kampagne ein Gesicht zu geben, die Tonalität und den visuellen Auftritt zu definieren. Jetzt sind sie in ihrem Element – würde jetzt nicht schon so verdammt die Zeit drücken.

Denn alles, was die Studierenden bis jetzt erarbeitet haben, soll noch in einem Präsentationsbooklet zusammengefasst werden. Einleitung, Analyse, Markenplattform, Brand Idea, Kreation, Fazit und Empfehlung – noch mal ein dickes Brett, das den Studierenden alles abverlangt. Aber dann liegt es fertig vor ihnen – und sie sind stolz wie Bolle.

Nun bin ich wieder dran.
Jedes Booklet wird von mir gelesen und mit Hinweisen und Korrekturen versehen und anschließend im Einzelgespräch mit jedem Studierenden besprochen.
Für die Mutigen und vor allem diejenigen, die richtig gute Konzepte entwickelt haben, gibt es jetzt noch eine weitere Herausforderung: die Präsentation.
Vorher gibt’s noch ein paar wichtige Tipps, wie man am besten präsentiert und worauf man achten sollte.
Und dann stehen sie auch schon vor den Kommilitonen und präsentieren, was das Zeug hält.

Fazit: das war kein Zuckerschlecken.
Aber das ist das Berufsleben auch nicht.
Alle sind froh, dass sie das Thema nun erfolgreich abgeschlossen haben.
Und alle wissen, dass die Erkenntnisse und das Booklet ihnen ein guter Wegweiser für ihre Abschlussarbeit sein werden. Auf geht’s ins Finale.
Wir sehen uns im 7. Semester wieder.

Arbeiten von
Ronja Jensen, Semester 5.2
Saskia Olieslagers, Semester 5.2
Marcel Poguntke, Semester 5.1