Wie wir schon zu ihrem Abschluss erfuhren, verschlug es eine unserer letzten Absolventinnen hinaus auf hohe See.
Lena Glinka, die gerade ihr Zertifikat von uns überreicht bekam, machte sich sofort auf die Socken, um die Welt zu bereisen. Auf welche Art und Weise sie das tut, wie es dazu kam, wo sie anlegt und was sie auf dem Meer wundervolles erlebt, haben wir sie direkt gefragt.

Mia:
Lena, wie wir hörten ging es für Dich direkt nach dem Abschluss auf See! Nur bist Du kein Matrose geworden, sondern?
Lena:
Ja, das stimmt. Ich arbeite als Fotograf für AIDA Cruises auf einem Schiff der Flotte und lerne so ein bisschen die Welt kennen.

Mia:
Wie bist Du zu dem Job gekommen?
Lena: Da ich nach meinem Abitur mit AIDA meine erste Kreuzfahrt als Gast gemacht hatte, wusste ich, dass diese Berufsgruppe dort tätig ist.
Im Laufe der Zeit an der kw kristalisierte sich immer mehr der Wunsch heraus, dass ich später gerne in die Fotografie gehen und am liebsten dabei noch sehr viel von der Welt sehen wollen würde.
Somit hatte ich mich Beginn diesen Jahres auf dem Jobportal von AIDA Cruises informiert, ob sie die Stelle als Fotograf ausschreiben und mich darauf beworben. Ein paar Tage später kam die Einladung zum Bewerbertag und Anfang Februar war alles unter Dach und Fach.

Mia:
Hast Du einfach deine Tasche gepackt, deine Wohnung gekündigt und bist losgefahren oder wie kann man sich die Vorbereitungen auf so einen Job vorstellen?
Lena:
So einfach war das jetzt nicht. Erstmal muss man wissen, dass ich ungefähr sechs Wochen hatte um meine ganzen Angelegenheiten zu klären – und das ist wirklich nicht viel, wenn man bedenkt, dass ich da in der heißen Phase des Abschlusses gesteckt habe. Ich habe sehr viele Dokumente von A nach B geschickt und musste noch so einige Termine wahrnehmen. Zum Beispiel muss jedes Crewmitglied ein Basic Safety Training machen. Ich  war dafür Anfang März für fünf Tage in Rostock und diese Zeit war zusammengefasst eigentlich wie ein kleiner Abenteuertrip, da wir einige Inhalte in der Praxis umsetzen mussten. Weiterhin muss vom Arzt die  Seediensttauglichkeit bestätigt werden. Erst wenn das gegeben ist, kann man an Bord gehen. Und was die Organisation drum herum angeht, war auch noch viel zu regeln. Von der Umleitung meiner Post zu meinen Eltern, über Absprachen mit Bank und Krankenkasse, bis hin zur Klärung der Frage, wer die Blumen in meiner Wohnung ab und an gießt, war alles dabei. Ich hätte nie gedacht, dass so viel zu bedenken ist, wenn man für ein halbes Jahr nicht in Deutschland ist. Aber ich habe großen Glück mit meiner Familie und Freunden, die mich unterstützen und mir helfen. Sonst könnte ich die Zeit hier an Bord nicht so unbeschwert genießen.

Mia:
Was sind Deine täglichen Aufgaben und wie viel Zeit ist zum Entspannen an Deck übrig?
Lena:
Ich kann das nicht verallgemeinern, da wir unterscheiden müssen, ob wir einen Seetag oder Landtag haben. An Seetagen arbeiten wir fast den ganzen Tag im Fotoshop. Dort stehen wir beratend den Gästen zu Seite,  verkaufen unsere Bilder und die Produkte in den Auslagen, also Postkarten, Magnete, Speicherkarten, Kameras, usw. Meist haben wir dann im Laufe unserer Öffnungszeiten noch verschiedene Angebote für Ocean- Shootings oder Bug-Portraits, die die Gäste wahrnehmen können, wenn das Wetter gut ist. Und wem das zu kalt ist, kann abends in unser Studio kommen und dort Portraits machen lassen. Wir arbeiten da sehr flexibel und können gut auf die Wünsche der Kunden eingehen. Je nach Reise und Tag haben wir dann noch verschiedene Runden – ob nun im Restaurant, auf einer der Poolpartys oder kurz vor Feierabend in der Anytimebar – einer  von uns Fotografen ist eigentlich immer irgendwo. An Landtagen beginnen wir früher mit unserer Arbeit. Da kommt es immer darauf an, wann wir anlegen. Aber wir sind eine der ersten Departments, die das Schiff  verlassen. Ein Teil von uns wartet an der Gangway, also da, wo die Gäste das Schiff verlassen, und ein anderer Teil begleitet einen der Ausflüge. So bekommen wir auch immer etwas von Land und Leute zu sehen. Meist begleiten wir das Auslaufen noch mit der Kamera und dann geht’s für uns abends wieder in den Fotoshop. Meist endet unser Arbeitstag gegen 23:00. Entspannung ist für eine kurze Zeit immer möglich. Meist haben wir ab Mittag bis Nachmittag drei bis vier Stunden, in denen wir nicht arbeiten müssen. An Seetagen lege ich mich meistens hin, schaue einen Film oder lese und an Landtagen versuche ich, dass ich mir den Ort nochmal auf eigene Faust anschaue.

Mia:
Welche Ziele steuert ihr an?
Lena:
Ich war zuerst fünf Wochen auf der AIDAcara, dem Mutterschiff. Dort bin ich in Lissabon aufgestiegen und bin über Ferrol, Le Havre und Dover nach Kiel gefahren. Von da aus ging es dann vier Wochen nach Nordeuropa mit Bergen, Oslo, Göteborg und Kopenhagen. Jetzt bin ich auf der AIDAdiva und nach zwei Kurzreisen nach Nordeuropa, geht es für uns jetzt vier Monate in die Ostsee. Wir fahren von Warnemünde aus nach Tallin, St.Petersburg, Stockholm, Helsinki, Danzig und Kopenhagen. Ende August geht es dann noch einmal über Nordeuropa nach Hamburg, von wo aus die AIDAdiva nach New York fährt – aber da bin ich dann nicht mehr an Bord.

Mia:
Kannst Du Erfahrungswerte aus deinem Studium für diesen Job nutzen?
Lena:
Ohne das Fach Fotografie wäre ich niemals zu diesem Job gekommen. Natürlich muss ich jeden Tag an mir arbeiten und was ich in den sechs Wochen bisher alles gelernt habe, ist sehr viel. Aber an der kw bekommen wir sehr guten Input und Grundlagen an die Hand mit denen wir uns nicht verstecken brauchen. Das grafische kommt hier an Bord zu kurz, aber man ist hier ja auch als Fotograf tätig. Und für mich ist das ein Kompromiss, denn ich gerne eingehe. Privat kann man ja immer mal eine kleine Fingerübung machen, wenn man das braucht.

Mia:
Wann hat der Hamburger Hafen Dich wieder und was sind dann deine Pläne?
Lena:
Am 03.September steige in in Hamburg ab und habe damit wirklich das beste Taxi der Welt. So wie es bis jetzt aussieht habe ich dann knapp acht Wochen Urlaub, bevor ich wieder für fünf Monate aufsteige und noch einen Vertrag fahren werde – nur diesmal am anderen Ende der Welt: Asien.

Wirklich eine wundervolle Art diesen Job zu leben und zu erleben, liebe Lena! Eine gute Wahl hast du da getroffen! Wir sind gespannt, ob du uns auch aus Asien so tolle Bilder schicken wirst und was du dort noch erleben darfst! Wir wünschen dir allzeit gute Fahrt!