Dieses Projekt darf man zu Recht als Experiment bezeichnen. Im Typografie-Seminar des dritten Semesters sollten die Studierenden für drei Unterrichtseinheiten einmal alles vergessen, was sie bisher über gute Lesetypografie gelernt hatten. Dozent Michael Wassenberg forderte sie auf, beliebig auszuwählende Glyphen, Wörter und Sätze auf verschiedene Weisen rücksichtslos zu verfremden und zu zerstören, um sie danach munter auf ebenso abwechslungsreiche Art wieder zusammenzusetzen. Statt Harmonie und Ordnung (siehe »Rapport als Mittel der Komposition«) sollten sie ein organisiertes Chaos auf eine DIN A 1 große Fläche bringen. Und statt einer eindeutigen und klaren inhaltlichen Aussage sollten die komplexen Form- und Farbspiele dem Betrachter vielfältige Rezeptionsangebote eröffnen.

Mit folgenden Begriffen könnte man den Assoziationsrahmen dieses Projektes skizzieren: Mikro-/Makrokosmos, Destruktion, Dekonstruktion, Dekomposition, Fragmentierung, Amorphie, Rausch, Taumel, Mutation, Wucherung, Häutung, Explosion, Zersetzung, Sog, Orgie, Katharsis, kryptisch, geheimnisvoll, orgiastisch, subjektiv.

Ziel der Übung war es unter anderem, das Formrepertoire und die Gestaltungstechniken der Studierenden zu erweitern und sie für zukünftige Projekte – wenn es dann auch endlich wieder um Inhalte geht – zu mutigen und experimentellen Layouts zu motivieren.