Am vergangenen Wochenende (8.,9. Februar 2014) wurde im Wettbewerb bei den Filmfestspielen um den goldenen Bären der Film „die Geliebten Schwestern“ von Dominik Graf gezeigt. Dazu möchte ich zunächst das Hamburger Abendblatt mit einem dpa Artikel, von heute, Montag zitieren:

„Dominik Graf überraschte mit einer ungewöhnlichen Perspektive auf den Dichter Schiller und dessen Liebesleben. „Die geliebten Schwestern“ richtet den Fokus dabei auf Schiller (Florian Stetter) und die Schwestern Caroline und Charlotte (Hannah Herzsprung und Henriette Confurius), zwischen denen sich eine komplizierte Dreiecksbeziehung entwickelt. „die Hauptrolle im Film spielen die Worte“, sagte Graf. „es geht darum, wie über Gefühle gesprochen und geschrieben wird.“ Herausgekommen ist dabei ein Kostümdrama, das mit seinen schwelgerischen Bildern durchaus reizt, mit knapp drei Stunden allerdings auch einige Längen hat.“

Dominik Graf betont u.a., dass das Schreiben eine große Rolle spielt. Und nun kommt die Kunstschule Wandsbek ins Spiel: Im Sommer 2012 trat die Regieassistentin mit der Frage an die Kunstschule Wandsbek, ob es im Hause Studentinnen gäbe, die in der Lage sind eine Kurrentschrift (ca 1770) mit Gänsefederkiel zu schreiben.

Zunächst gab es niemanden, aber es ist mit Disziplin und Konsequenz möglich, sich in diese Schrift einzuarbeiten. Ich konnte also zusagen, zwei Studentinnen zu finden, die diese Schrift in kurzer Zeit lernen werden. Auch ich musste mich erst einmal wieder mit dieser Formensprache vertraut machen.
Wie sind wir vorgegangen? Zunächst bekam ich Handfotos der beiden Schauspielerinnen, auf deren Grundlage ich ein Handcasting mit interessierten Studentinnen (Vorgabe Kleidergröße 36) durchführen konnte. Das Casting wurde von ca 25 Studies genutzt, deren Hände wurden im Fotostudio in vorgegebener Haltung fotografiert und an den Regisseur und die Assistenz geschickt. Acht Hände kamen in die engere Wahl, zwei Studies habe ich dann ausgesucht, von denen ich sicher war, dass sie zuverlässig die kommenden Aufgaben erfüllen werden.

Merle Lappöhn (hat mittlerweile Examen gemacht) und Katharina Kosinez (heute 4. Semester) haben das Double für Hannah Herzsprung und Henriette Confurius übernommen.

An einem Power Wochenende haben wir uns in der Kunstschule Wandsbek und den gesamten Sonntag bei mir zu Hause getroffen und die Kurrentschrift in der jeweiligen Charakteristik der Schwestern (schliesslich gab es sie wirklich und es existieren Briefe) erarbeitet.

Es mussten sogenannte Spielbriefe geschrieben werden, die in vierfacher Ausfertigung abgegeben wurden, damit in Szenen in denen Schiller Briefe bekommt ausreichend Material zur Verfügung steht. Und es mussten die Briefe, die unter laufender Kamera am Set im Kostüm der jeweiligen Schauspielerin geschrieben werden sollten, perfekt eingeübt werden.

Wir bekamen die Texte für die entsprechenden Szenen, musste das richtige, von der Requiste ausgesuchte Papier besorgen, mit der richtigen Tinte (Eisengallus) und den richtigen Federkielen (gehärtet) schreiben. Es war fast ein täglicher telefonischer Austausch mit Regieassistenz und den Leuten von der Requiste (sehr freundliche, nette Leute).

Manchmal mussten die Briefe überstürzt fertig oder geändert oder zusätzlich geschrieben werden, sie wurden dann per Kurier aus der Kunstschule Wandsbek abgeholt und zu Drehort nach z.B. Jena gebracht.

Es war ein spannendes, aufregendes Projekt für uns Drei. Aber Katharina und Merle mussten zu unterschiedlichen Zeiten jeweils alleine am Set doubeln und das war bei weitem aufregender, als nur über dass Telefon ein bisschen von dem Getriebe beim Film mitzubekommen.

Wir freuen uns das unsere Arbeiten bei den Filmfestspielen in Berlin auf der Berlinale zu sehen waren. Wir müssen noch bis Juli warten, um den Film in den Kinos sehen zu können. Dazu gibt es dann einen Artikel von Katharina über ihre Erfahrung, die Kurrentschrift zu erlernen und einen kleinen Blick in einen Filmdreh zu werfen.

Eveline Petersen-Gröger, Dozentin Kalligrafie