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(Text aus dem Video übernommen)
Interview: Kristin Adler
Kamera: Janosch Wanschura
Videoschnitt und Ton: Janosch Wanschura

Kristin:
Wer bist Du?
Amrei:
Ich bin Amrei Runte, komme aus der Nähe von Bremen. Bin da auf einem alten Bauernhof aufgewachsen. Ich bin 24 und jetzt im 6. Semester und bin nach Hamburg gekommen, weil ich hier eigentlich ein Praktikum gemacht hab und bin dann durch Zufall an die Kunstschule gekommen.

Kristin:
Warum hast Du dich für die Kunstschule Wandsbek entschieden?
Amrei:
Ich hab mich für die kw entschieden, weil ich da am Tag der offenen Tür war und das hat mich dann atmosphärisch und von den Leuten da total überzeugt. Ich hab mich nämlich vorher bei einer anderen Uni beworben in Bremen und die waren alle so ein bisschen irgendwie abgehoben und ein bisschen sehr von sich selbst überzeugt. Und das hatte mich auf immer so kleinen privaten Unis auch gestört. Das fand ich dann an der Kunstschule so cool, dass es halt nicht so ist. Dass sie einfach entspannt sind und dass die Leute so auf dem Boden geblieben sind. Dass es immer Leute gibt, die auch ein bisschen hochnäsig sind oder mir nicht gerade sympathisch, aber das ist ja normal. Da ist halt so ein gesunder Misch aus allem dabei gewesen. Das hat mich dann letzten Endes überzeugt.

Kristin:
Welches Fach gefällt Dir am besten?
Amrei:
Das ist eigentlich die Kalligrafie gewesen. Nicht mal unbedingt, weil ich das besonders gut kann, sondern weil ich da am meisten gelernt hab so für mich selbst. Ich hab eine total schreckliche Handschrift, also meines Empfindens nach. Die Kalligrafie hat mir irgendwie gezeigt, dass man eine ganz andere Art und Weise dafür benötigt um mit dem Fach umzugehen oder mit Arbeiten umzugehen. Halt dieser Fokus aus Schriften der hat mir viel gebracht und halt dieses konzentrierte arbeiten und man muss sich wirklich ransetzen. Ich bin dann manchmal etwas hibbelig und das war dann so eine ganz gut Erdungsübung.

Kristin:
Welches Semester hat Dir bis jetzt am besten gefallen?
Amrei:
Da würd ich jetzt sagen, dass es das 4. Semester war. Einfach, weil man sich da extrem mit sich selbst auseinander setzen musste und extrem mit den Arbeiten, die man bisher gemacht hat. Und man da dann nochmal realisiert hat, was man bisher geschafft hat und was eigentlich wichtig ist und in welche Richtung man gehen möchte. Also es hat einem richtig so einen Weg gewiesen und man hat sich dann auch mal kritisch mit Sachen auseinander gesetzt. Und dann so nochmal die Sachen aus dem 1. Semester angeguckt und gedacht „Oh Gott was hab ich da gemacht und warum?“. Und dann musste man das nochmal erklären und vor allem musste man erklären, was einem diese Aufgabe gebracht hat. Und das fand ich doch relativ schwierig bei manchen Aufgaben, weil viele Sachen auch im Prozess einfach entstehen. Und das dann zu erklären oder in Worte zu fassen ist manchmal gar nicht so einfach, aber das Lernen, dass man das machen muss, hat einem dann viel gebracht, um seine Ideen dann auch mal zu überdenken und das selbst dann auch mal anderen zu erklären. Und dass das dann letzten Endes auch so eine Verkaufsstrategie für einen selbst ist. Dass man seine Ideen dann auch, auch wenn man nicht mehr zu 100% dahinter steht, trotzdem irgendwie als positiv oder hilfreich verkaufen muss oder darstellen muss.
Kristin:
Welche Richtung gefällt Dir besonders gut?
Amrei:
Eine bestimmte Richtung in dem Sinne hab ich nur bedingt. Also ich hab sehr großes Interesse an Editorial Design, aber finde die Werbung auch extrem spannend. Bin jetzt auch momentan so ein bisschen am schwanken, was ich jetzt eigentlich so richtig machen möchte und gleichzeitig finde ich aber auch Coporate Design und Corporate Identity Findung und so was das finde ich auch super spannend. So ein Mischmasch aus allem wäre cool. So wirklich einmal querbeet. Wir haben halt bei einem Dozenten genau sowas gemacht. Also dass wir Magazine, Plakate und Coporate Design gemacht haben und das war die perfekte Lösung eigentlich. Also das wäre so die Schiene, aber präverieren würde ich momentan Werbung.

Kristin:
Wo liegt künstlerisch Dein größtes Talent? / Was machst Du am liebsten?
Amrei:
Also ich bin so was das künsterlische Talent an geht gar nicht so sehr definiert. Ich mache eigentlich alles mögliche und hab eigentlich am meisten Spaß an Dingen, die nicht geplant sind, sondern einfach irgendwie so entstehen. Also so für mich, wenn ich das so für mich privat mache oder mit meiner Familie oder sonst was. Ich kann wenn ich was für mich mache, auch gar nicht so strukturiert arbeiten. Das ist für die Uni gut, aber wird immer nichts draus, weil ich dann mit dem Kopf zu beschäftigt bin und dann nicht einfach mal vergesse und umsetze, sondern wirklich die ganze Zeit denke: „Ist das jetzt wirklich richtig? Wie wirkt das?“ und so weiter und sofort und das ist so das Beste was mir beim… oder kreativ dann liegt, wenn ich wirklich arbeite.

Kristin:
Welche Ziele hast Du dir für dein Studium gesetzt?
Amrei:
Ziele ist ja immer so ein bisschen schwierig, wenn man schon im 6. Semester ist, weil die Ziele, die ich mir am Anfang des Studiums gesetzt hab, die habe ich jetzt eigentlich alle soweit hinter mir. Und jetzt ist eigentlich mein gerade noch vorhandenes Ziel, dass ich mein Portfolio halt gerade fertig mache oder dabei bin es komplett fertig zu machen und mich dann bei Agenturen bewerbe und da ist jetzt halt das Ziel, dass ich bei der Herzensagentur angenommen werde und dann mein Abschlusssemester mit dem Praktikum gut vereinen kann. Und vor allem ein Abschlussthema zu finden, das ich… also ich habe mitgekriegt, dass manchmal die Leute das Abschlussthema dann nicht mehr richtig cool finden, an dem sie arbeiten und ich hoffe, dass ich jetzt eins finde, das wirklich die ganze Zeit so mein Ding ist. Für das mein Herz schlägt letzten Endes.

Kristin:
Welches Projekt war für Dich bis jetzt am spannendsten? / Was hat Dir am besten gefallen?
Amrei:
Ich hab mit einer Kommolitonin zusammen einen Logo-Wettbewerb mitgemacht, den wir dann auch gewonnen haben. Für Schutzengel e.V. aus Flensburg und das war eins der spannendsten Projekte, die auch von der Uni kamen. Und das war halt spannend, weil es einmal… also zwischenzeitlich wollten wir eigentlich schon wieder aufhören, weil wir gedacht haben das geht voll in die Hose und das wird alles ganz katastropahl. Und dann haben wir uns letzten Endes dann halt doch dazu entschlossen das weiter zu machen und durchzuziehen und haben eigentlich so beim Denken, dass wir scheitern die besten Umsetzungswege gefunden und sind dadurch ein so krasses Stück weiter gekommen, dass wir selbst halt auch dieses Logo total cool finden und das auch nach wie vor gerne zeigen. Und die Zusammenarbeit mit dem Kunden, dem Dozenten und dem Team das war insgesamt halt so spannend und hat uns so geprägt, dass ich das immer wieder gerne so in Erinnerung rufe. Das ist so das Spannendste bisher gewesen, was mir so im Herzen geblieben ist.

Kristin:
Was für Projekte hast Du bis jetzt realisiert?
Amrei:
Ich arbeite unter Anderem für ein kleines Unternehmen, das sich jetzt vor kurzem neu gegründet hat und für die mache ich die kompletten Designfragen und für die bin ich jetzt auch gerade für den kompletten Websiten-Relaunch dabei also Designerin, also die technische Umsetzung macht jemand anders. Aber das ist im Prinzip ein großes Projekt, was ich jetzt seit ich glaube etwa einem Jahr oder etwas länger mache. Dann hab ich eine Zeit lang realtiv viele Siebdrucksachen gemacht, weil ich in einer Siebdruckmanufraktur, also einem kleinen Atelier gearbeitet hab und mein Praktikum gemacht hab und daraus hab ich noch so Sachen mitgenommen und mach das auch noch gerne mal für Leute, die ich kenne oder die was in die Richtung machen wollen. Und diese Schutzengelsache ist halt auch etwas, was auch eher ein private Umsetzung für ein Unternehmen war.

Kristin:
Wie gestaltest Du Deine Freizeit?
Amrei:

„Freizeit“ ist immer so ein schwieriges Wort. Ich glaub das liegt aber auch immer ein bisschen daran, dass ich auch relativ viel für mich umsetzen will und gerade in den Abgabezeiten hat immer ein bisschen viel Stress und Freizeit ist dann immer nur so ein Begriff, der irgendwo um einen herum schwebt, aber den man eigentlich nicht so richtig prägt, aber letzten Endes bin ich jemand, der sehr viel Wert auf Freunde legt und wenn ich Zeit habe gerne mal was mit denen unternehme. Nicht mal unbedingt, dass ich… also ich gehe nicht so viel feiern. Das ist nicht so mein Ding. Aber die mal besuchen oder mit denen in eine Kneipe gehen oder sowas das mache ich schon gerne. Ich kicker ganz gern, also Tischkicker und so. Und sonst… ich lese extrem gerne. Ich liebe Konzerte. Konzerte das ist so… alles aus einem rauslassen und Kopf frei kriegen. Und ich mach gern Yoga. Das klingt immer ein bisschen langweilig, das ist aber extrem cool und anstrengender als es aussieht tatsächlich und das mache ich sehr gerne in meiner Freizeit.

Kristin:
Wie stellst du Dir Dein Leben nach der KW vor?
Amrei:Mein Leben nach dem Studium, das gestaltet sich so, dass ich erst mal gerne in einer Agentur arbeiten möchte. Am besten in einer, die etwas größer ist bzw. wenn eine Kleine, dann eine kleine Feine, die dann wirklich richtig coole Sachen macht und mich komplett überzeugt. Ich möchte mein Leben nach der Uni nicht mit Freistellen verbringen, weil das finde ich echt… also für ein paar Mal machen ist das okay und macht ja auch jeder irgendwo mal, aber das ist nicht das was ich mir vorstelle und dafür habe ich dann auch nicht studiert. Letzten Endes… der Weg geht aber so in Richtung Werbung und dann aber so in die Design Richtung und soll relativ abwechslungsreich sein.

Kristin:
Wann hast Du Deine kreativen Momente?
Amrei:Am kreativsten bin ich tatsächlich bei akutem Schlafmangel und nach mehreren Fritz-Cola Flaschen. Das funktioniert immer ganz gut. Andererseits wenn ich richtig ausgeschlafen bin und so richtig erholt bin. Das ist auch immer sehr gut, weil dann bin ich auch viel entspannter und nicht so hibbelig. Vor allem wenn ich Schlafmangel hab, bin ich eher unaustehlich. Das ist glaube ich so der generelle Lauf, wenn man… also bei Menschen generell. Also es gibt eigentlich nur diese zwei Phasen und am besten wenn ich Schlafmangel, Fritz-Cola und Kickern, so in irgendeiner geilen Bar. Das ist so perfekt. Da kommen mir dann die, also da bin ich dann frei und denk halt nicht so richtig eingeordnet, sondern mache einfach was ich möchte… so in dem Dreh. Musik hilft mir da auch immer ganz doll.

Kristin:
Was verbindest Du mit der Kunstschule Wandsbek?
Amrei:Mit der kw verbinde ich eine sehr entspannte Atmosphäre. Eigentlich sowieso vielfältig Lernen können und dass man sich selbst vorwärts bringen muss. Also das ist letzten Endes auch beim jedem Studium so, dass man für sich selbst lernt und das ist bei der kw aber auch sehr stark. Also man muss sich überall so das Beste heraus ziehen, was für einen wichtig ist, weil das Beste… da hat ja jeder eine andere Vorstellung. Aber das, was für einen wichtig ist, wenn man aber auch Bock drauf hat, dann geht das bei der kw extrem gut.

Kristin:
Was für Tipps hast du für das erste Semester?
Amrei:
Dem ersten Semester würde ich auf jeden Fall raten, dass sie ganz schnell vergessen so, dass man was für Kunstschule oder die Dozenten macht an Arbeiten, sondern dass sie so schnell wie möglich realisieren, dass alles für einen selbst ist und für das Leben, das man dann irgendwie sich erarbeitet. Also finde ich auch manchmal jetzt noch, wenn ich Leute aus den höheren Semestern kennen lerne, die in dem Bereich arbeiten oder studieren. Es ist halt wirklich nichts was man machen muss, sondern… also man entscheidet sich ja dafür und das sollte man definitiv in seinem Studium auch so leben. Und Ratschläge und Kritik immer gut annehmen, aber manchmal muss man das nicht genauso umsetzen, wie man das hört und gerade im ersten Semester sollte man das lernen.