Vor einigen Wochen erhielten wir eine Botschaft, die diesen einen Donnerstag unser aller nachhaltig verändern würde: Es sollte eine fachbezogene Exkursion respektive Exekution unseres Unwissens geben.

Morgens halb zehn in Alltona: Semester 3.2 tritt an zur informativen Begehung der Festung Mediadruckwerk. Als einheimischer Weggefährte begleitet uns dabei Betriebsleiter Dirk Bräuer.

Die Tore öffnen sich und wir begeben uns in die Höhle des Löwen. Das fremde Revier lässt schon nach den ersten Schritten den bitteren Duft von Lack, Farbe und einer Menge maschineller Ungetüme zu unseren Nasen durchdringen. Keine Frage, hier ist etwas größeres am Werk.

Erste Station im neuartigen Dschungel: die Druckvorstufe. Auftragsablauf, Aufbereitung, Proofs, RIP, Pantone, HKS – Begriffe flattern durch den Raum, wie ein Schwarm aufgewirbelter frischer Makulatur. Unsere inspirierten Designer-Gehirne versuchen je nach Interessegrad die Pantonefarben zu zählen oder die Wissenszuwächse zu verkraften. Doch unsere Reise soll hier noch längst kein Ende haben. Die empfindlich manipulierte Luft erfüllt unsere Lungen; wir werden nun Zeuge der Belichtung einer Druckplatte – Revolution Offsetdruck. Es dreht sich alles um Wasser und Fett, Licht und Belichtung, Halbton und Vollton.

Und dann verlassen wir die starken Metallplatten mit ihrer empfindlichen Haut und schreiten zum Herzstück des Mediadruckwerkes: der eigentlichen Druckerei. Nebel wabert scheinbar aus Rohren unter der Decke. Ein wahres Gebirge von Maschinen nimmt unser Blickfeld ein. Kleine und große, alte und neue. Sie drucken und pudern und stanzen, perforieren und stempeln und falzen und prägen – und geprägt wurden wir auch. Heidelberger wohin man sieht, alle emsig bei der Arbeit. Der speedmaster, ein besonders flinker Bursche, wird uns persönlich vorgestellt. Mächtige Drucktürme zieren sein Haupt, seine Zylinder rotieren und das Papier fliegt nur so durch sein Inneres – nur um kurze Zeit später auf der anderen Seite wieder ausgeschieden zu werden. Sehr introvertiert der Gute.
Nach ein paar Sätzen zu Nutzen, Umgang mit dem Kunden und effizienter Produktion lassen wir auch diese heiligen Stätten hinter uns.

Allerdings nur, um kurze Zeit später seinen kleinen Bruder vom Offsetdruck kennenzulernen. Der  Digitaldruck scheint zärtlicher zu sein. Jedes einzelne Blatt liegt ihm besonders am Herzen. Doch auch ihn verabschieden wir bald, denn unser Besuch neigt sich dem Ende zu. Das Ende bildet ein runder Abschiedsschnack.

Zurück in der Außenwelt besinnen wir uns auf die vergangenen Stunden. Es bleiben Köpfe voll von druckfrischen Eindrücken und eine Gruppe von Menschen, die einen sehr praxisnahen Tag erleben durften. Das rührende Resümee: Papier lebt und wir sorgen dafür, dass es auch so bleibt.

Mehr spannende Fotos findet ihr unter: https://istdaskunstoderkanndasweg.wordpress.com/2013/08/18/mediadruckwerk/

Text: Swantje Roersch (Studentin im 3. Semester)
Foto: Michael Wassenberg (Typografie-Dozent)