(Text aus dem Video übernommen)

Ich bin Samuel Jacob Naegele, bin fast 25 Jahre alt und komme ursprünglich aus Freiburg im Breisgau und bin jetzt im siebten Semester und mache eigentlich gerade meinen Abschluss, also sollte eigentlich meine Abschlussarbeit machen im Moment. (lacht)

Mia:
Wie gestaltest du gern deine Freizeit?
Samuel:
Ich bin leidenschaftlicher Flohmarktgänger, irgendwie so n bisschen wie Jäger und Sammler. Es ist einfach das Größte für mich in alten Sachen – sei es Sperrmüll, sei es Flohmarkt – rumzuwühlen und kleine Dinge zu entdecken, Schätze zu finden. Irgendwelche Sachen, die man noch brauchen kann. Und am liebsten mach ich da neue Sachen draus. Ich hab zB eine Menge Negative, die ich mit alten Fotos zusammenbringe und verarbeite. ich glaube man muss einfach mit offenen Augen durch die Welt gehen, dann findet man immer etwas, was man in seinem kreativen Prozess verarbeiten kann.

Mia:
Wo inspirierst du dich?
Samuel:
ich glaub, das was mich am meisten inspiriert oder mir am meisten Spaß macht sind Magazine, die man irgendwo kaufen kann, es sind Imagebroschüren von irgendwelchen Kleidergeschäften, von Kunstgalerien, alles mögliche eigentlich. Alles Gedruckte, was glaube ich damit zusammen hängt, dass ich ein Mensch bin, der Dinge in die Hand nehmen muss oder gerne in die Hand nimmt, um sie zu verstehen – auch um sie wahrnehmen zu können und deswegen ist es für mich natürlich sehr interessant im Editorialbereich und Corporatedesignbereich zu arbeiten, da man da -für mein Empfinden- das Produkt später mehr in der Hand hält und mehr sieht, als wenn ich jetzt eine Website designe.

Mia:
Was ist dir wichtig?
Samuel:
Ja, irgendwie finde ich immer, dass es wichtig ist, dass man mit seinem Design -auch wenn es völlig unmöglich ist, in dem Beruf später. Aber, mir ist es immer wichtig irgendwas Sinnvolles oder Gutes unterstützt, deswegen interessiert mich dieser ganze Ecology Designbereich sehr. Also Dinge, die sich mit der Verbesserung der Umwelt beschäftigen.

Mia:
Warum interessiert dich der Printbereich so sehr?
Samuel:
Ich glaube, dass der Printbereich mich so sehr interessiert, da ich ein Mensch bin, der Dinge, die er anfängt analog anfängt und sich nicht sofort an den Computer setzt und auch sofort digital losarbeitet. Ich brauch eigentlich immer diesen Schritt, dass man einen Stift in die Hand nimmt, dass man Buntstifte in die Hand nimmt, einen Edding in die Hand nimmt, dass man sich gedruckte Sachen anschaut und erst dann komm ich so in einen Arbeitsprozess und bekomm auch dann erst die Möglichkeit daran weiter arbeiten zu können oder Ideen entwickeln zu können. Das passiert immer mit dem Stift. Ich weiss, es gibt viele Menschen, die das sofort am PC und sofort digital..Ich kann das nicht! Das ist nichts für mich! Auch bei der Fotografie, da fotografier ich auch lieber analog als digital. Ja, hmpf, villeicht bin ich auch einfach ein bisschen hängengeblieben. (lächelt)

Mia:
Wie bist du zum Design gekommen?
Samuel:
Eigentlich wollte ich immer Tischler werden. Ich hab mein Abitur gemacht, in Freiburg und hab dann so eine Tischlerlehre angefangen an einer Berufsfachschule und hab dann geschaut, wo es in Hamburg einen Ausbildungsplatz gibt, weil ich auf jeden Fall nach Hamburg wollte. Ich hatte dann einen Ausbildungsplatz, der ist mir aber abhanden gekommen, sozusagen (lacht) Also der ist nicht zu Stande gekommen. Dann kam für mich der Zeitpunkt mir zu überlegen „ok, was gibt es da noch? Was interessiert mich? Was fasziniert mich noch?“ und da war natürlich immer Grafikdesign/Kunst etwas, was mich sehr interessiert auch. Auch aus dem Grund, weil mein Vater privat sehr viel Kunst macht und dann bin ich auf die kw gestossen über eine Suchmaschine, google..oder, ich weiss garnicht mehr genau wie. Und dann hab ich mir das alles angeschaut, bin los zum Bewerbungsgespräch. Ja, das hat gepasst! Und so habe ich dann angefangen.

Mia:
Hast du eine besondere Erinnerung an die kw?
Samuel:
Eine heiß geliebte kw Erinnerung?a, eigentlich schon. Das war mein erstes Chillen und Grillen und da ist ein Foto entstanden mit Alina Schmidt ( http://on.fb.me/1bvJBX8 ) und dieses Foto ist einfach noch so in meinem Kopf. Ich weiss garnicht mehr so genau, sie hat irgendwie meine Kette im Mund und wir grinsen beide in die Kamera und dieses Foto war für mich damals so das Lebensgefühl, das ich in diesem Moment so hatte und ich glaube das wird mir immer bleiben. Das wird immer die kwerinnerung sein.

Mia:
Was treibt dich am meisten an?
Samuel:
Mein Motor, um überhaupt irgendwie anfangen zu können zu arbeiten ist immer frische Luft, Radfahren und Kaffee

Mia:
Wo willst du nach der kw hin?
Samuel:
Ich möchte nie ein Klischeedesigner werden. Ich kann mir nicht vorstellen mein Leben lang in der Agentur zu sitzen und für Kunden zu arbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen…ja, nicht die Freiheit zu haben an eigenen Sachen zu arbeiten in meinem eigenen Bereich kreativ zu sein. Ja, selbst Sachen zu entwickeln, für sich, für Freunde, ohne dass irgendeine Agentur, irgendein Arbeitgeber, Geldgeber dahinter sitzt. Keine Ahnung, ob das was wird. Wer weiss, villeicht geh ich auch irgendwann nach Kanada und werd Holzfäller, um frei zu bleiben, mich frei entfalten zu können. Wo ich hin will? Villeicht schon erstmal in eine Agentur, Erfahrungen sammeln, natürlich auch im Printbereich, im Corporatedesignbereich. Ob das was wird, mal sehen! Jetzt erstmal die Abschlussarbeit machen.

Mia:
Welche Typo währest du wohl?
Samuel:
Am liebsten wäre ich eine aus irgendeinem Gegenstand, irgendeinem Material, was man irgendwo gefunden hat. Ja, irgendeine gelegte Typo. Villeicht aus Ästen, villeicht aus Steinen, aus Wellenformen. Irgendwas, was die natürlichen Formen mit dieser Starrheit von der Typografie verbindet. Das wär glaub ich meine Typo. Das wäre ich!

Mia:
Hast du noch einen Tipp für die Erstsemester parat?
Samuel:
Ich glaub, wenn man neu an der kw ist muss man viel ausprobieren und aufpassen, dass man sich nicht zu sehr verbiegt. ich glaub man muss schon ein klares Gesprü dafür entwickeln, was man mag, was einem gefällt und was man selber machen möchte. Ich weiss nicht, es hat sich ja ziemlich viel verändert an der kw, auch was die Unterrichtsinhalte angeht und ich kann es im Moment schwer einschätzen, aber ich.. (grübelt) aber wenn es noch so viele Möglichkeiten gibt Neues zu entdecken, Neues zu erfahren, zu experimentieren, so wie bei mir damals, dann rate ich allen, die neu an die kw kommen auf jeden Fall das voll und ganz auszunutzen. Alles mitzunehmen, was irgendwie möglich ist. Seien es Workshops, seien es irgendwelche Vorträge..Geht da hin! Das lohnt sich!