Ein bisschen Knete hat noch keinem geschadet

Sie ist nicht nur eine farbenfrohe Vergnügungsmasse für die Kleinsten, auch die größeren Kinder können durch Knete gestalterisch neue Horizonte erfahren:
Die Studierenden des zweiten Semesters sind mit einem eher ungewöhnlich wirkenden Projekt im Illustrationsunterricht beschäftigt. Heute tauchen sie in geschäftiges und konzentriertes Modellieren ab. Vor ihnen liegen Materialien wie Plastilin, Sculpey , Knete, Fimo, Papp- und Holzkonstruktionen, Tapetenreste, Stoffe, Knöpfe und Werkzeuge, die an den längst fälligen Zahnarztbesuch erinnern. Der ein oder andere bringt auch echtes Haar vom Mitbewohner oder der Angorakatze mit.
Schon nach kurzer Zeit kann man die skurrilsten Figuren erahnen, bald darauf bilden sich filigran gearbeitete Gesichter mit unterschiedlichsten Mimiken heraus.

Krimis, Märchen, Mythen und mehr

Stimmungsvolle Szenen aus selbst geschriebenen Geschichten, Zombie-Olympiaden mit rollenden Köpfen, unter die Haut gehende Briefwechsel während der Zeit des Nationalsozialismus, italienische Familiendramen, spannende Krimi-Szenen, geheimnisvolle Waldtrolle, Figuren aus der griechischen Mythologie oder gnadenlos realistisch nachgebildete Dozenten… – alles ist dabei.
Die andere Variante stellte die Kreierung eines eigenen Werbespots dar.
In den Wochen davor wurden Teams zusammengestellt, in denen das Charakterdesign zu verschiedenen Figuren, Tieren, Fabelwesen entworfen wurde. Es durften prägnante Charaktere frei erfunden werden oder auf bereits bekannte zurückgegriffen werden, wie bekannte Bands oder Berühmtheiten aus Romanen, Filmen, Theaterstücken, Politik etc. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt – mit dem Ergebnis einer sehr große Bandbreite äußerst kreativer Einfälle.
Charakteristische Persönlichkeitsmerkmale sollten herausgearbeitet werden, die sich in der Körperhaltung, Physiognomie, Kleidung etc. widerspiegelten.

Plastizität wird fühlbar

In der heißen Phase werden nun die Abbildungen der Zeichnungen geschaffen, was nicht immer ganz einfach ist. Hintergrund dieser Übung ist u.a., durch den Modellierungsprozess mehr Zugang zur räumlichen Darstellung zu finden. Hat man die Knetmasse erst einmal in den Händen, so kommt man nicht darum herum, den Hinterkopf von der italienischen Mama auch wirklich rund zu formen und der Wirbelsäule einen Schwung zu geben. Flache Sachen gehen hier nicht durch und das Modellieren führt beinahe zwangsläufig zu einem „Aha-Erlebnis“ bei späteren 2D-Arbeiten. Plastizität wird nun fühlbar, auch von allen Seiten sichtbar und ist später auf dem Papier oder dem Rechner leichter umzusetzen als vor dem dreidimensionalen Gestaltungsprozess.
Die Figuren werden anschließend fotografisch in Szene gesetzt – dabei ist die wohl überlegte Komposition und eine interessante Perspektive entscheidend. Natürlich inklusive Bühnenhintergrund, der entweder vollständig selbst gebaut ist, draußen gesucht oder digital ergänzt wird. Der Teamgeist ist im gesamten Gestaltungsprozess von Bedeutung, eine gute Zusammenarbeit mit stimmigen und harmonisierenden Ergebnissen gefragt. Nach der letzten Fotoretusche werden die besten 3D-Illustrationen überzeugend präsentiert – was sich bei dem darin enthaltenen Herzblut bislang nie als schwer erwiesen hat.