Immer wieder besucht Typografie-Dozent Michael Wassenberg mit seinen Studierenden des Typografie-Seminars Verlage, Prepress-Unternehmen und Druckereien. Am 10. November 2011 führte sie der Weg nach Altona ins Mediadruckwerk. Eine solche Akzidenz-Druckerei ist sehr gut geeignet, dem kreativen Nachwuchs den Arbeitsablauf von der Datenanlieferung über das Proof, die Druckplattenherstellung (CTP), den Druck, die Veredelung bis zum Versand zu veranschaulichen. Für die Youngsters gab es in den zwei Stunden jede Menge Input. Dank an Dirk Bräuer und seine Kolleginnen und Kollegen, die uns wieder einmal geduldig und auskunftsfreudig einen Blick über den Tellerrand einer Berufsfachschule für Kommunikationsdesign gewährten.

Shanna Soltau, Studierende im 3. Semester, schrieb den folgenden Exkursionsbericht.

Pilgerreise ins Mediadruckwerk

Während sich unsere Kommilitonen weiterhin ihre Köpfe zerbrachen, um möglichst ein optimal gestaltetes und durchdachtes Kalenderblatt zu kreieren, hatte die Hälfte unseres Semesters 3.2 die Möglichkeit eine Offsetdruckerei zu besuchen. Nachdem der ursprüngliche Termin ins Wasser fiel und wir einen Ersatztermin gefunden hatten, stand dem Ganzen also nichts mehr im Wege.

Am 10. November 2011 war es nun so weit und wir machten uns auf den Weg in die Druckerei Mediadruckwerk in Altona. Nachdem wir alle mehr oder weniger pünktlich eingetrudelt waren und freundlich empfangen wurden, führte uns der Betriebsleiter Dirk Bräuer durch die verschiedenen Produktionsbereiche der Druckerei. Interessiert folgten wir ihm, ausgestattet mit Fotokameras, Notizblöcken und allem, was sonst noch so dazu gehört.

Wir erfuhren, dass es sich bei dem Mediadruckwerk um eine Akzidenzdruckerei handelt. Beim Akzidenzdruck handelt es sich um Gelegenheitsdrucksachen aus dem Privaten und auch aus dem Geschäftlichen. Um die 60 Mitarbeiter arbeiten in den verschiedenen Produktionsabteilungen.

Bevor im Mediadruckwerk eine Arbeit in den Druck geht, wird bei den Dateien, die sie von ihren Auftraggebern erhalten, der sogenannte Preflight-Check durchgeführt, bei dem noch einige letzte Korrekturen vorgenommen werden können. Die Firma verfügt über eine eigene Grafikabteilung, die auf der einen Seite den Preflight-Check durchführt und auf der anderen Seite auch selbst eigene Designaufträge übernimmt. Hier arbeiten also auch Grafiker und Mediengestalter.

Nachdem diese ihre Arbeit beendet haben, folgt die Druckbogenberechnung. Diese ist bei mehrseitigen Druckprodukten, zum Beispiel bei Broschüren, die durch den Rücken geheftet werden, sehr wichtig, da mehrere Seiten zusammen auf einem großen Druckbogen gedruckt werden. Es muss genau berechnet werden, wie die Seiten zueinander angeordnet werden müssen, um die später richtige Seitenreihenfolge im Heft zu erhalten. Dies nennt man Ausschießen. Übrigens, damit die Daten nicht abhanden kommen, gibt es einen großen Serverraum.

Nun geht es endlich in den Druck. Da man im Offsetdruck keine Halbtöne reproduzieren kann, werden Raster erzeugt. Fotos müssen also gerastert werden. Hier wird häufig mit einem 60er Raster oder einem noch feineren Raster gearbeitet. Man versucht dabei die Fotoqualität zu simulieren. Die Druckmaschinen funktionieren mit einer Aluminiumplatte pro Farbe, die auf einen Zylinder gespannt wird. Mittels Gummituch wird das Druckbild dann auf das Papier übertragen. Die Euroskala, welche das subtraktive Farbmodell CMYK beschreibt, wird eingesetzt um farbige Bilder abbilden zu können. Wenn man eine oder mehrere spezielle Sonderfarben benutzen möchte, müssen diese – gegebenenfalls zusätzlich zu den vier Farben des CMYK – eingesetzt werden.

Später können die Drucke veredelt werden, zum Beispiel durch das Einsetzen von Laminierungen, Lackierungen, Hochglanz oder Softglanz oder auch durch Duftlacke. Nebenbei bemerkt: durch diese Duftlacke erhalten Papiere diese speziellen Gerüche. Dieser Duft wird in die Farbe oder den Lack gemischt und kommt auf die Art und Weise auf das Papier. Wenn nun an dieser Stelle, wo sich der Lack befindet, gerieben wird, lösen sich die Duftmoleküle und es kommt zu dem Geruch.

Bevor wir den Drucksaal betreten durften, erfuhren wir, dass die Luftfeuchtigkeit stets bei 55% liegt und die optimale Temperatur 21°C beträgt, da das Papier »lebt« und sich so nicht ausdehnt oder an Größe verliert. Deshalb ist der Saal speziell abgegrenzt.

Die Firma verfügt neben den Hightech-Maschinen über viele alte Maschinen, die nach wie vor im Betrieb sind. Bei diesen Maschinen konnten wir den Druckvorgang am besten nachvollziehen. In dieser Abteilung wird aber vor allem geprägt, genutet, gefalzt und gestanzt. Am Ende der Produktion werden manche Drucke noch manuell konfektioniert.

Neben all den Offsetdruckmaschinen hat das Mediadruckwerk auch eine Digitaldruckmaschine im Einsatz. Im Digitaldruck kann man mit vielen verschiedenen Bedruckstoffen arbeiten, was ein Vorteil gegenüber dem Offsetdruck ist. Auch kann man personalisiert drucken und die Druckkosten für Kleinauflagen bleiben überschaubar.

Am Ende erfuhren wir noch etwas über »Web to Print«, wobei es sich grob gesagt um das Erstellen von Druckvorlagen über das Internet handelt.

Das war eine sehr informationsreiche Exkursion, nach der uns wohl allen mehr oder weniger die Köpfe rauchten. Wir haben alle viel gelernt, gesehen und gehört und können sagen, dass uns dies geholfen hat, einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen. (Text: Shanna Soltau)