Altona / Hamburg

Vor kurzem besuchten unsere Studierenden aus dem 2 Semester das Altonaer Museum, um sich das Kinderbuchhaus und die dort stattfindende Ausstellung von Dieter Wiesmüller anzusehen.
Doch noch vor Betreten der Räumlichkeiten wurde einem die aktuelle Situation des Museums bewusst.
Das Altonaer Museum ist eines der größten kulturhistorischen Museen in Norddeutschland.
In der ständigen Ausstellung finden sich unter anderem die Geschichte von Schifffahrt, Fischerei und
lokaler Industrie ebenso wie Bürgerkultur, Kunsthandwerk, Malerei und Grafik.

Hinzu kommt ein vielseitiges Programm von Sonderausstellungen sowie Film- und
Vortragsveranstaltungen. Der zeitliche Schwerpunkt des Museums liegt zwar im 19.
und 20 Jahrhundert, es birgt aber auch viele Schätze aus der frühen Neuzeit.
Mit seinen vielfältigen kulturellen Aktivitäten war und ist es Anziehungspunkt für die Altonaer,
die Hamburger und ihre Gäste.
Nun aber soll es den Sparplänen des Hamburger Senats zum Opfer fallen.
Nachdem die Kulturbehörde vor vier Wochen die Schließung des Altonaer Museums verkündet und damit massive Proteste ausgelöst hatte, so dass selbst Altbundeskanzler Helmut Schmidt intervenierte, korrigierte der Oberbürgermeister Dieter Ahlhaus (CDU) nun die Entscheidung seines Kultursenators.

Das Museum soll bleiben. Die größte Sammlung norddeutscher Kulturgeschichte wird nicht zerschlagen.
Zur Erinnerung: Hamburg hatte sich von den Folgen kulturpolitischen Missmanagements durch Sparmaßnahmen befreien wollen, die womöglich noch zusätzliches Geld gekostet hätten.
3,5 Millionen sollte die Schließung des Altonaer Museums angeblich bringen, doch Kritiker rechneten vor, dass es noch teuerer werden könnte.

Aber warum lässt das gerettete Altonaer Museum jetzt nicht die Korken knallen und feiert seinen Sieg?
Ahlhaus hat zwar den Erhalt des Museums verkündet, aber zugleich die Stiftung Historische Museen Hamburg, die insgesamt vier Museen umfasst, dazu verdonnert, die gewünschte Sparsumme von 3,5 Millionen Euro selbst aufzubringen.
Diese 3,5 Millionen jährlich sind der bisherige Etat des Altonaer Museums – und ein Drittel des Stiftungsetats von insgesamt 11 Millionen. Nun soll die Stiftung selbst bis April 2011 ein „tragfähiges“ Konzept für die Einsparungen entwickeln.
Die Politik aber ist fein raus: Der Bürgermeister demonstriert Kritikfähigkeit, sein Kultursenator Reinhard Stuth (CDU) steht nicht länger als Museumsverweser da, und die Museen dürfen sich selber abschaffen.

Was tun? Für das Altonaer Museum kursiert die Idee, Räume an andere Kultureinrichtungen zu vermieten.
Dann würde aus dem Haus allerdings ein Kessel Buntes.
Fakt ist, dass die Stiftung Historische Museen Hamburg sich mit einer gestaffelten Etatkürzung um 0,5 Millionen im Jahr 2011, 1,5 Millionen im Jahr 2012, 2,5 Millionen im Jahr 2013 und ab 2014 um jährlich 3,5 Millionen ruinieren wird – auch wenn das jetzt noch keiner so deutlich artikulieren will.
Kulturpolitisch ist die Katastrophe fast noch größer geworden, weil jetzt vier Museen und insgesamt zehn Standorte betroffen sind, von denen nicht klar ist, welcher 2014 noch betriebsfähig sein wird.

So geht Hamburger Kulturpolitik: Wer A sagt, muss auch B sagen, aber zur Beruhigung der Bürger so tun, als ob er seinen Fehler erkannt hat.

Noch so ein Kultursparbeschluss, und Hamburgs Historische Museen sind futsch!
Armes siegreiches Altonaer Museum!

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