„Aus Porenbetonsteinen kann man nicht nur Häuser bauen!“

dachte sich Philip Mattescheck aus dem 3. Semester und erstellte im Kalligrafieunterricht Schriftzüge aus Metall und Porenbetonstein.

 

Tag Herr Baumeister, alle Absperrungen entfernt, Restschäden beseitigt und Abfallprodukte umweltgerecht kompostiert?
Absperrungen gibts bei mir nie, die Restschäden sind verheilt (Meißel+Hammer+Hand=Aua) und die Abfallprodukte stehen immernoch in meiner Abstellkammer.

Wie kommt man dazu, ein solches Projekt zu starten?
Nachdem sich herausstellte, dass ich in Kaligraphie eine absolute Niete bin, (die Tatsache, dass ich Linkshänder bin, war dabei auch nicht gerade förderlich) hat frau Baudy mir als Alternativprojekt vorgeschlagen, einen oder mehrere Schriftzüge zu designen, ähnlich den Graffiti-artigen Styrodurkunstwerken, die im 4. Stock zu sehen sind. Ich fand die Idee von Anfang an gut, habe allerdings aus eigenem Interesse andere Materialien verwendet.

Woher kommt deine handwerkliche Begabung?
Einen Hang zum Handwerklichen hatte ich eigentlich schon immer, ich habe schon als Kind sehr viel Lego gespielt, später dann mit Lego Technik motorisierte Roboter u.Ä. gebaut, war begeistert im Werkunterricht an der Schule dabei und fand dann mit ca. 15-16 zu meiner Hobbyleidenschaft, dem Casemodding (oder zu Deutsch: dem Modifizieren/Umbauen von Computer-Gehäusen), wo ich mich handwerklich über die Jahre noch weiter ausgetobt habe. Eine Ausbildung in der Richtung hatte ich nie, habe mir eigentlich alles selbst beigebracht.

Wie bist du auf die Idee für das Material gekommen?
Der ursprüngliche Vorschlag von Meiner Dozentin war ja, dass ich ebenfalls solche Schriftzüge aus Styrodur mache. Styrodur bietet sich dafür an, weil es sehr leicht und schnell zu bearbeiten ist und an Formen so ziemlich alles ermöglicht, was man sich ausdenkt. Mir war das aber erstens zu langweilig, da es schon so viele Styrodurskulpturen gab, zweitens zu fragil, da Styrodur relativ schnell bricht, und drittens schlicht zu einfach. Man wächst mit seinen Herausforderungen und so habe ich mich beim Heavy, dem ersten Projekt, für Aluminiumblech entschieden und bei den beiden weiteren für Porenbetonsteine. Beides ist schwerer zu bearbeiten, aber dafür hat man auch ein Ergebnis für die Ewigkeit.

Warum gerade diese beiden Gegensätze?
Ich hatte zunächst das „Heavy“ designed, bei dem das Wort selber eher aus dem Material entstand. Ich brauchte Buchstaben, die möglichst ohne Rundungen realisierbar sind und suchte nach einem entsprechenden Wort. Da das ganze eine massive Konstruktion aus Metall werden sollte, fand ich Heavy dann recht passend. Als ich mit den Porenbetonsteinen anfing dachte ich mir dann, könnte ich genausogut einen „Bruder“ für das Heavy machen das ebenfalls eine Asoziation mit dem Material herstellt (Metall=Schwer, Stein=Hart). Daraus entstanden dann „Hard ‚n Heavy“. Danach ist mir aufgefallen, dass das Hard überhaupt nicht Hart aussieht, sondern eher rundliche Formen hat, was daran lag dass ich dort einfach drauf los gearbeitet habe. Beim Soft wollte ich dann genau das Gegenteil, also eher kantige, harte, symmetrische Formen und habe mich dann für Soft entschieden, weil es widerum einen Widerspruch zur Form darstellt wie das Hard. Hard und Soft sind also beide ein kleines Spiel mit den Asoziationen zu Form und Aussage.

Du hast doch sicherlich sehr viel Zeit investiert, oder?
Das Heavy war das erste und auch zeitintensivste Objekt. Da ich nicht nur eine, sondern gleich vier Aluplatten ausschneiden musste, war das Ganze eine Menge Arbeit und hat mehrere Wochen gedauert, bei denen ich auch außerhalb der Schulstunden gearbeitet habe. Insgesamt würde ich schätzen, stecken gut 25-30 Stunden Arbeit drin, auch wenn man es auf den ersten Blick vielleicht nicht sieht. Besonders die Nachbearbeitung der Aluplatten (Feilen, Schleifen, auf Hochglanz polieren) hat lange gedauert, aber natürlich auch das Ausschneiden. Das Hard und das Soft sind beide in jeweils 2 Unterrichtsstunden im Werkraum entstanden, grob geschätzt 6-8 Stunden pro Stück.

Und was kost‘ der Spaß?
Das Hard und das Soft waren sehr billig, die Porenbetonsteine (einen davon habe ich sogar noch über) gibt‘s im Baumarkt für ein paar Euro, ansonsten war bis auf ein paar Meißel und einen Hammer (freundlicherweise von der kunstschule wandsbek gestellt) nichts weiter an Material oder Werkzeug nötig. Das Heavy war natürlich nicht nur das aufwändigste sondern auch das kostenintensivste Objekt. Neben ca. 35 € Kosten für das Aluminium und die Gewindestangen und Muttern gingen nochmal 15 € für Dremel-Trennscheiben drauf, die sich bei soviel Metallarbeit sehr schnell abnutzen. Insgesamt also etwa 50€.

Wie kam das Projekt an?
Die Resonanzen waren eigentlich durchweg positiv, selbst frau Baudy schien begeistert. Einzig beim Heavy taten sich viele Leute schwer, auf den ersten Blick das Wort zu entziffern, da nicht jedem gleich klar war, dass dort mehrere Buchstaben fließend ineinander übergehen. Gemeckert hat aber niemand.

Was ist dein Traumjob?
Aufgrund von meinem Hang zum Handwerklichen könnte ich mir natürlich gut vorstellen, etwas in Richtung Produktdesign zu machen, also dreidimensionale Dinge zu entwerfen. Ich habe aber auch viel Spaß am „zweidimensionalen“ Designen. Mein Fernziel wäre es wohl, so einen Beruf selbstständig auszüben, da mir diese Arbeitsweise persönlich wesentlich besser liegen würde, auch wenn sie sicherlich stressiger ist als ein „normaler“ Job. Inwieweit sich das alles miteinander vereinbaren lässt, werde ich dann mal sehen 😉

Ich wünsche dir viel Erfolg!