Montag, 26. Januar 2009, 15.00 Uhr: 26 Studierende des 2. Semesters machen sich auf dem Weg zum Spiegel-Verlag. Sie wollen in Erfahrung bringen, wie Grafiker und Redakteure eines der auflagenstärksten Nachrichtenmagazine Deutschlands zusammenarbeiten. Eine Geschichte in 14 Bildern …

96prozentige Anwesenheit – das freut den Dozenten. Doch wo ist Milan? Nun gut, dann kommt er eben nicht mit aufs Foto, zu dem sich die mächtig durchgefrorenen Studierenden meines Typografie-Kurses – natürlich ganz spontan – zusammenfinden.

15.25 Uhr: Man erwartet uns im Konferenzraum Nr. 4 im 12. Stock. Klar, dass wir mindestens drei Fahrstühle gleichzeitig besetzen.

Ein Spiegel an der Decke des Fahrstuhls? Wozu braucht man den? Egal. Fotografieren! Angeblich haben zehn Personen in dieser Kabine Platz. Die Mitreisenden zeigen sich skeptisch.

Wir sind oben. Nur noch ein paar Stufen aufwärts. Die Aussicht auf die Speicherstadt und den dahinter liegenden Hafen beeindruckt uns schon. Ja, hier hätte ich auch gern mein Büro.

Dort, wo sonst wöchentlich Journalisten, Ressortleiter, Chefredakteure und andere wichtige Verlagsmenschen konferieren, nehmen wir heute einmal Platz. Und verdursten muss auch keiner.

15.35 Uhr: Während die einen sich mit Stift und Zettel bewaffnen, um den Eindruck seriöser Studenten zu vermitteln, …

… nehmen diese drei Damen erst einmal einen Tee.

Ein Beamer wirft die harten Fakten an die Wand. Historie, Auflagen, Reichweiten, Formate, Eigentumsverhältnisse, Mitarbeiter, Vertriebssparten, Mitbewerber, Zielgruppen, Druckverfahren – ein Chart jagt das nächste.

Zwischendurch gibt es immer wieder Anekdoten wie diese: Als 1956 – neun Jahre nach der Gründung des Spiegels – erstmalig eine Illustration auf dem Titel erschien, musste Rudolf Augstein (1923–2002), der Macher des Nachrichtenmagazins, dieses »Experiment« auf einer ganzen Seite erklären. Die traditionsbewussten Leser bekamen bis dahin nämlich nur Schwarz-Weiß-Portrait-Fotos auf der Umschlagseite zu sehen.

Wir erfahren, dass insgesamt 43 Kollegen in der Gestaltung arbeiten. Sie sind verantwortlich für den Titel und das Layout der Innenseiten. Unverzichtbar sind die Kollegen aus der Bildredaktion und der Infografik. Jetzt geht’s ans Eingemachte. Die Grundregeln der Magazin-Gestaltung werden uns vorgestellt. Was hat sich im Laufe der vergangenen 60 Jahre geändert? Und warum?

Ach ja, die Werbung. Erschiene das Magazin ganz ohne Anzeigen, müsste der Leser heute den doppelten Heftpreis bezahlen. Eine ganzseitige Anzeige auf einer Umschlagseite kostet etwa soviel wie ein 8-Zylinder von Mercedes.

Ein Verlag arbeitet natürlich mit einem Redaktionssystem. Der Kollege erklärt in groben Zügen die Funktionsweise des Quark Publishing Systems. Und tatsächlich: die Paletten sehen genauso aus wie bei mir auf dem Rechner. Während einige Studierende das »langweilige Layout« beklagen und den Job des Layouters nur mäßig spannend finden, hätte ich gern noch mehr über die Schriften erfahren. Der »Holländer«, der diese im Auftrag des Spiegels schon vor über zehn Jahren entworfen hat, ist natürlich kein Geringerer als Luc(as) de Groot. Die Studierenden entdecken ihre Sympathie für die Infografik. Ja, hier könne man noch kreativ sein, so lautet ihr Urteil.…

17.30 Uhr: die Präsentation findet nach zwei Stunden ihr Ende. Fragen? Keine. Soviel Information will erst einmal verdaut werden.

Die Kekse wurden rückstandslos aufgegessen, die Bionaden-Flaschen brav leergetrunken. Beifall für die Redner und dann: Abflug.

Noch einmal ein Blick aus dem Fenster auf die Speicherstadt. Schöööön.

Draußen wird weiter diskutiert. Man zeigt sich zufrieden, entspannt und auch erschöpft. Und das nächste Mal besuchen wir die Kollegen am Baumwall …