Jan Yarza Balzer ist Student im sechsten Semester, neunundzwanzig Jahre alt und der Student des Monats im November.

 

Hallo, du bist jetzt Student des Monats. Vorweg etwas, das du schon mal unbedingt sagen möchtest? Ein Motto vielleicht? Oder ein Geständnis? Über Leichen im Keller freuen wir uns immer!
Ein festes Motto habe ich nicht, das könnte auch in jeder Situation anders lauten. Aber wie wäre es mit „Let it flow“? Der Lauf der Dinge wird mir oft zu sehr eingeschränkt. Man sollte weniger nach festen Rastern handeln und alles auf Maß stutzen. Lieber sollte man die Rasterlinien etwas verbiegen, um etwas anders und neu zu machen.

Wie gefällt dir dein Studium bisher?
Sehr gut! Ich genieße die Möglichkeit, extrem vielseitig zu arbeiten und nicht zu sehr auf bestimmte Bereiche festgenagelt zu werden. Ich weiß, dass ich das bald vermissen werde, wenn ich mich im Beruf spezialisieren muss. Ich kann mir nicht vorstellen, zehn Jahre lang nur Screens zu entwerfen.
Vor allem habe ich hier gelernt, die Projekte zu entwickeln und nicht gleich die erste Idee fertigzustellen.

Wie ich gehört habe, stammst du ursprünglich aus Barcelona. Wie gefällt es dir in Deutschland? Und willst du mal zurück?
Die Deutschen haben mich über die Jahre hinweg rumgekriegt! Ich war früher gefühlter Spanier und Ausländer hier in Deutschland. Das hat sich umgekehrt. Mittlerweile bin ich hier beheimatet, aber mit Spanien weiterhin eng verwurzelt. Ich bin Kosmopolit, bin sehr viel gereist und könnte im Prinzip überall zuhause sein. Aber jetzt lebe ich schon seit über zwanzig Jahren in Hamburg und liebe, wie alle Hamburger, diese Stadt. Doch manchmal packt mich auch ziemlich das Fernweh.

Du bist ja bei der kw_talents*** angenommen worden. Womit, meinst du, hast du dich durchgesetzt? Und wie fühlt man sich so als Auserwählter?
Es ist eine schöne Bestätigung und ich freue mich sehr über die Chance. Bis jetzt ist aber noch nichts erreicht, erstmal sollte man den Anforderungen auch gerecht werden und in der Gruppe bestehen. Womit ich mich durchgesetzt habe? Vielleicht, weil ich einen irrsinnigen Hunger auf die Berufswelt habe, denn ich bin ja auch schon 29.

Was gefällt dir besonders gut an Kommunikationsdesign?
Vieles! Was für mich im Mittelpunkt steht, ist die Möglichkeit, dass ich mich kreativ in einem Umfeld betätigen kann und dass mir diese Betätigung einen anerkannten Beruf ermöglicht. Ich war für lange Zeit Vollzeit-Gitarrist in einigen Rockbands und hatte dabei oft das Gefühl ein Fremdkörper in der Gesellschaft zu sein, den keiner braucht und keiner sucht, egal ob man gut ist oder nicht. Als Grafiker genießt man mehr Anerkennung. Durch die Flyer, CD´s und Tourplakate, die ich für meine Bands entworfen habe, bin ich übrigens zum Grafikdesign gekommen. An der Arbeit als Gestalter reizt mich besonders, Design mit Funktion zu verbinden, also alles, wo auch ein gewisser Erfindungsreichtum gefragt ist.

Was ist für dich ausdrucksstarkes, wirklich gutes Design?
Eines, das mit einer guten Idee und einer stimmigen Ästhetik den Kern der Aussage trifft.

Erzähl´ ein wenig von Dir, schließlich wollen die User ja wissen wer Du bist. was hast Du vor der kw gemacht, seit wann studierst du hier, gefällt es Dir an der kw und wenn ja, warum? Treibst Du Sport, wo sind deine kulturellen Wurzeln etc.?
Ich liebe alles kreative und Rock’n’Roll, bin leidenschaftlicher Fotograf, koche und bewirte gern.
Ich liebe Kulturen und Landschaften, die Architektur, Musik von Heavy Metal bis Jazz.
Ich liebe Sport, ich liebe die Liebe und ich liebe das Leben!
Und ich stehe auf das absurde, surreale, das ungeschliffene, dreckige, und auf Ironie. Und ich gehe gern zu Fuß! Ich glaube ich bin ein ziemlicher Spinner. Aber ein netter!

Die Arbeit als Designer ist ja sehr anstrengend, ;o) – Wie kannst Du am besten entspannen?
Ich bin nicht besonders gut im entspannen, ich überfordere mich lieber durch zuviel Input. Zum Beispiel gehe ich ständig auf Events und Konzerte, tüftele permanent an irgendwelchen Projekten und bin generell einfach extrem umtriebig. Ich lasse mich gerne faszinieren, wenn ich Leidenschaft erlebe. Wenn ich Menschen kennen lerne, denen es gelingt, sich einer Sache voll hinzugeben, Grenzen zu sprengen und die straight und aufrichtig sind.
Wenn ich mal richtig entspannen wollte, müsste ich mehr auf Reisen gehen! Zum Abschalten gehe ich Fußball spielen. Und feiern!

Was, würdest du sagen, ist das besondere, einzigartige an dir, was dich auszeichnet?
Eigenlob stinkt! Aber du willst es so: Ich kann mich in so ziemlich jeden Bereich gut einfühlen, weil mir immer irgendetwas einfällt. Ich kann fast allem etwas abgewinnen, bin begeisterungsfähig. Und ich kann gut mit Menschen. Manchmal fällt es mir schwer, mich zu fokussieren.

Wenn du ein Buch über dein Leben schreiben würdest – welches Kapitel wäre dir dabei am wichtigsten?
Eines, in dem ich mir den Kopf über diese Frage zerbreche! Echt schwer zu sagen. Die Vielseitigkeit des Lebens könnte eine wichtige Rolle spielen.

Da wir ja gerade ein paar Frischlinge an unserer Kunstschule haben, abschließend nochmal zu deinem Studium hier an der kw. Was würdest Du jemandem aus dem 1.Semester als wohlgemeinten Rat mit auf den Weg geben?
Man sollte seine Energien vor allem für die Dinge verwenden, die ihm am meisten geben können. Und in den Bereichen, die interessant erscheinen, sich voll reinhängen und seine eigenen Schwerpunkte setzen, man kann nicht überall perfekt sein. Gas geben, die Schule ist schneller vorbei, als man denkt!

Und zu guter Letzt, was stellst du dir beruflich vor?
Ich kann mir sehr gut einen Platz in einer Fullserviceagentur vorstellen, wo vielseitige Fähigkeiten gefordert werden und man mit verschiedenen Gestaltungsbereichen zu tun bekommt. Nebenbei bearbeite ich freie Aufträge, vielleicht baue ich mir daraus irgendwann etwas eigenes auf. Mal sehen, was kommt!

Das Interview mit Jan wurde von Meta.tag geführt.